Drei Fragen an ... die Deutsche Meeresstiftung

Wenn die Menschen sich im Sommer nach Abkühlung sehnen, rückt ein Lebensraum stärker in den Fokus: das Meer. Doch hinter Wellenrauschen und Urlaubsidylle stehen drängende Fragen zum Schutz unserer Ozeane. Die Deutsche Meeresstiftung in Hamburg setzt sich seit Jahren dafür ein, das Bewusstsein für den Zustand der Meere zu schärfen. Im Kurzinterview sprechen wir mit Stiftungsvorstand Frank Schweikert über Herausforderungen für europäische Gewässer, Citizen Science und darüber, was wir alle tun können, um die Meere besser zu schützen. 

© Deutsche Meeresstiftung
3 Minuten 12.08.2026
Gesprächspartner: Frank Schweikert

Was sind derzeit aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Meere insbesondere mit Blick auf europäische Gewässer, und was wünschen Sie sich von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, damit Engagement für den Meeresschutz weiter wachsen kann? 

Unsere Meere stehen unter einem enormen Mehrfachdruck: Klimawandel und Erwärmung, Sauerstoffmangel, Überdüngung und Schadstoffe, Plastik und Munition, Überfischung sowie der zunehmende Nutzungsdruck auf die Meeresräume wirken gleichzeitig. Gerade in Nord- und Ostsee können wir viele dieser Veränderungen unmittelbar vor unserer Haustür beobachten. 

Das vielleicht größte Problem ist aber ein gesellschaftliches: Wir nehmen den Ozean noch immer nicht als unsere Lebensversicherung wahr. Er produziert einen erheblichen Teil unseres Sauerstoffs, nimmt große Mengen Wärme und Kohlendioxid auf, ernährt Milliarden Menschen und reguliert unser Klima. Ohne einen gesunden Ozean gibt es langfristig auch keine gesunde menschliche Gesellschaft. 

Deshalb brauchen wir einen Perspektivwechsel: Meeresschutz darf nicht länger als Spezialthema einiger Umweltorganisationen betrachtet werden. Die Politik muss den Ozean bei Klima-, Wirtschafts-, Energie- und Finanzentscheidungen konsequent mitdenken. Die Wirtschaft sollte die enorme Innovationskraft einer nachhaltigen Blue Economy nutzen. Und wir brauchen eine Zivilgesellschaft, die versteht: Der Ozean geht uns alle an – auch wenn wir Hunderte Kilometer von der Küste entfernt leben. 

Sie setzen auch auf Citizen Science. Was bedeutet das konkret und wie können sich die Menschen hier beteiligen? 

Citizen Science bedeutet für uns, Menschen nicht nur über Wissenschaft zu informieren, sondern sie selbst zu Forschenden zu machen. Das schafft Wissen und gleichzeitig Meeresbewusstsein. Ein gutes Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit Sporttaucher*innen. Bei praktisch jedem Tauchgang entstehen wertvolle Informationen über Wassertemperatur, Tiefe und Position. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir solche bislang weitgehend ungenutzten Daten für die Wissenschaft verfügbar machen. Aus Millionen einzelner Messpunkte kann so ein immer genaueres Bild davon entstehen, wie sich unsere Meere verändern. 

Mit unserem Forschungsschiff ALDEBARAN gehen wir noch einen Schritt weiter: Seit vielen Jahren ermöglichen wir insbesondere jungen Menschen im Rahmen des Meereswettbewerbs, selbst auf See zu forschen, Proben zu nehmen, Messgeräte einzusetzen und eigene wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln. 

Citizen Science zeigt etwas Entscheidendes: Man muss nicht Meeresbiologie studiert haben, um einen Beitrag zur Meeresforschung zu leisten. Schülerinnen und Schüler, aber auch Menschen, die segeln, tauchen, Urlaub machen oder einfach nur Zeit am Strand verbringen, können beobachten, dokumentieren, messen und damit Teil eines viel größeren wissenschaftlichen Netzwerks werden. 

Wenn Sie den Menschen für diesen Sommer eine konkrete Botschaft mitgeben könnten: Was kann jede und jeder Einzelne tun, um die Meere besser zu schützen? 

Meine wichtigste Botschaft wäre: Machen Sie die Energiewende zu Ihrer eigenen Sache. Der menschengemachte Klimawandel, angetrieben vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger, ist eine der größten Bedrohungen für unsere Ozeane. Die Meere nehmen den überwiegenden Teil der zusätzlichen Wärme im Klimasystem auf – mit dramatischen Folgen: steigende Wassertemperaturen, Meeresspiegelanstieg, Sauerstoffverlust und Veränderungen ganzer Ökosysteme. 

Wir stimmen jeden Tag nicht nur mit unserem Wahlzettel ab, sondern auch mit unserem Energieverbrauch und unserem Geld. Wer die Energiewende voranbringt und sein Geld verantwortungsvoll investiert, kann damit einen ganz konkreten Beitrag zum Schutz des Ozeans und unserer Lebensgrundlagen leisten. 


Über die Stiftung

Die Deutsche Meeresstiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Ozeane einsetzt. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse fördert sie den Dialog zwischen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Forschung, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Meere zu entwickeln. Mit Bildungsangeboten, Forschungsprojekten, Veranstaltungen und Wettbewerben stärkt die Stiftung das Bewusstsein für die Bedeutung eines gesunden Ozeans als unverzichtbare Lebensgrundlage für Mensch, Klima und Biodiversität. Weitere Informationen unter: www.meeresstiftung.de

Über den Gesprächspartner

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