Drei Fragen an ... die Deutsche Stiftung Schlaf

In der dunklen Jahreszeit liegt der Gedanke an einen wohltuenden Winterschlaf nahe. Und auch wenn Menschen diese große Ruhepause nicht vergönnt ist, so täte es uns allen gut, auf eine angemessene Schlafqualität zu achten und Schlaf insgesamt etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Schlaf ist wichtig, um geistige und körperliche Erholung zu ermöglichen und die Gesundheit, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu fördern. Schlafstörungen hingegen sind weit verbreitet und können gravierende negative Folgen haben. Die Deutsche Stiftung Schlaf fördert Wissenstransfer und interdisziplinäre Initiativen und Projekte im Bereich der Schlafgesundheit. Darüber haben wir mit Geschäftsführerin Thea Herold gesprochen.  

Das Bild zeigt eine Schlafperformance des Künstlers Virgile Novarina: In einem Ausstellungsraum mit weißen Wänden liegt er unter einer Bettdecke auf einer Matratze. Matratze und Bettwäsche sind ebenfalls weiß. Er trägt eine dunkle Schlafbrille. Über ihm an der Wand hängen auch mehrere Schlafbrillen in Blautönen. Außerdem steht ein Zitat aus Jean-Luc Nancys "Vom Schlaf" an der Wand über ihm: "Der Eingeschlafene schließt die Augen, um sie des Nacht zu öffnen. Was er in sich selbst sieht, unter seinen Lidern, das ist nichts anderes als die Nacht selbst. Das Auge sieht in ihr die Unterseite der Dinge, die Rückseite der Lider, die unsichtbare Schicht der Kehrseiten, der nach außen gewendeten Häute. Es ist die Welt der Substanz, das, was darunter liegt ... "
Virgile Novarina, Schlafperformance Nr. 44, Marta Herford Museum.
© Virgile Novarina, ADAGP, Photo Susanne Hinrichs.
3 Minuten 08.01.2026
Gesprächspartnerin: Thea Herold

Warum ist guter Schlaf so wichtig und was können wir im Alltag dafür tun?

Schlaf ist ein Wunder der Evolution. Wir alle schlafen. Tag für Tag. Vom ersten Tag bis zur letzten Stunde spielt der Schlaf für unser Leben eine enorm wichtige Rolle. Er sorgt nicht nur für die Regeneration unseres Körpers, für die mentale Erholung unseres Geistes. Er stärkt unser Immunsystem, lässt uns wachsen, verleiht unserer Kreativität Flügel und lässt uns träumen. Trotzdem unterschätzen wir immer noch die Vielfalt und die individuelle Diversität beim Thema Schlaf. Es ist vielfach belegt – alle schlafen ihren eigenen Schlaf. Und hier liegt auch das Geheimnis. Es gibt viele Optionen, mit denen wir ganz persönlich etwas für den guten Schlaf zu tun können.  

Nur einige Beispiele: regelmäßige Schlafzeiten, kühler, verdunkelter Schlafraum, angemessene Ernährung am Abend, entspannte Zeit vor dem Einschlafen und Schlafrituale, die zu uns passen. Wir fassen das alles oft unter dem Begriff Schlafhygiene zusammen. Dazu kommen heute die Möglichkeiten moderner Technik: Sleep Gadgets, Smart-Ringe oder Apps zum Schlaftracking, Kissen und Spangen. Wenn wir herausfinden, was unsere Nächte ruhiger und erholsamer macht, dann sind neben den langerprobten Methoden der Schlafhygiene auch die digitalen Schlafhelfer zu empfehlen. Auch deshalb, weil sie für uns ganz individuell und persönlich Schlafdaten sammeln und Ratschläge für den gesunden Schlaf erteilen.  

Ihre Stiftung fördert auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Schlaf. Heißt das, Schlaf wird als Kunst betrachtet? 

Für Kunstschaffende hatte der Schlaf als Thema seit jeher eine große assoziative Anziehungskraft und war zu allen Zeiten sehr faszinierend. Schon in der Kunstgeschichte sind namhafte Malerinnen und Maler in den Dialog mit diesem rätselhaften Zustand getreten.  

Genauso greifen heute die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler dieses inspirierende Thema auf in Musik, Malerei, Performance und Theater.  Einige von ihnen haben für ihre Arbeit bei unserer Stiftung angeklopft, um ihre künstlerischen Spuren und Interpretationen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen oder technischen Facetten zu verbinden.  

Der Brückenschlag von Kunst und Wissenschaft wird heute beim Thema Schlaf immer öfter gesucht. Wahrscheinlich spricht sich herum, dass wir vom Schlaf nicht nur in den Kreisen der Medizin und Wissenschaft immer mehr erforschen müssen, damit es neue, heilsame und auch überraschende Erkenntnisse gibt. Dieses Wissen muss auch in die Mitte der Gesellschaft getragen werden. Die multidisziplinären Ansätze sind es dann auch, die wir vor allem bei künstlerischen Kooperationen unterstützen. Dabei entstehen Kunstwerke, die einen Beitrag zur Vermittlung neuer Erkenntnisse leisten oder neue und ungewöhnliche Fragestellungen präsentieren. 

So hat sich der französische Künstler Virgile Novarina über 30 Jahre mit dem lebensnotwendigen Zustand Schlaf beschäftigt. Anfangs war er schlicht von der Dauer des Schlafes beeindruckt. Es waren jene acht Stunden am Tag, von denen er fast nichts wusste. Nach und nach entwickelte er eine Art Schlafgedächtnis, brachte Träume zu Papier und erforschte in der Performance-Reihe „Im Schlaf“ seinen eigenen Schlaf in Ausstellungsräumen. Sein Credo: „Ich schlage vor, den Schlaf genauso zu genießen wie das wache Leben.“ 

Alle zwei Jahre vergibt die Schlafstiftung den Deutschen Schlafpreis. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Februar 2026. Wer sollte sich bewerben?

Tatsächlich wird es diesmal schon das vierte Mal sein, dass wir als Deutsche Stiftung Schlaf diesen Preis vergeben. Er wird in drei Kategorien verliehen: Da ist der „Botschafter des Schlafes“, es gibt den Preis für „Wissenschaft & Innovation“ und die Auszeichnung für das „Unternehmen Schlafgesundheit“. Auf Bewerbungen freuen wir uns bis Mitte Februar. Eine prominente Jury mit Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport und Wissenschaft wird danach die Gewinner ermitteln. Und am 20. März 2026 gibt es eine festliche Zeremonie für die Preisträger*innen und eine „Gala für den Schlaf“. 

Unsere Tür steht offen für innovative Lösungen, herausragende Aktivitäten und mutige Vorbilder. Vor zwei Jahren erhielt zum Beispiel Virgile Novarina als erster Künstler den Preis als „Botschafter des Schlafes“. Er kommt weder aus der Schlafmedizin noch der Schlafwissenschaft. Aber die Leidenschaft, mit der er dem Phänomen Schlaf auf den Grund ging, hat die Jury von Jahrgang 2024 überzeugt. 


 

Über die Stiftung

Die Deutsche Stiftung Schlaf wurde 2011 in Berlin gegründet. Unter Leitung von Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des  Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité-Universitätsmedizin Berlin, haben sich Schlafmediziner/Schlafforscher und Experten aus der Schlafprävention zusammengetan, um durch zeitgemäße Aufklärung und interdisziplinäre Wissensvermittlung die modernen Kenntnisse rund um den gesunden Schlaf zu verbreiten. Zu den Langzeitprojekten zählt die Aktion Infomobil, der Deutsche Schlafpreis und aktuell das Gemeinschaftsprojekt „Schlaf macht Schule“  mit der Gesundheitsregion Göttingen /Südniedersachsen. 

Mehr Informationen: Deutsche Stiftung Schlaf | Willkommen

Über die Gesprächspartnerin

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