Drei Fragen an ... die Stiftung Kinderglück
Sechs Wochen Sommerferien – für viele Kinder eine Zeit voller Erlebnisse. Für armutsbetroffene Kinder bleiben Urlaub, Freizeitangebote oder Ausflüge jedoch oft unerreichbar. Ihnen ermöglicht die Stiftung Kinderglück mit ihren Ferienpatenschaften unbeschwerte Ferientage und neue Erfahrungen. Im Interview erklärt Stiftungsgründer Bernd Krispin, warum solche Angebote so wichtig sind und wie noch mehr Kinder davon profitieren könnten.
© Stiftung Kinderglück
Wie groß ist die Kinderarmut in Deutschland und wo setzen Sie mit Ihren Angeboten zur Unterstützung armutsbetroffener Kinder an
Kinderarmut ist leider eine der größten sozialen Herausforderungen in Deutschland. Mehr als jedes fünfte Kind wächst in einer Familie auf, die von Armut bedroht oder betroffen ist. Die Folgen reichen weit über materielle Einschränkungen hinaus: Viele Kinder haben schlechtere Bildungs- und Teilhabechancen und sind oft von Freizeit-, Kultur- oder Ferienangeboten ausgeschlossen.
Genau hier setzt die Stiftung Kinderglück an. Unser Ziel ist es, Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und von finanziellen Ressourcen Chancen zu ermöglichen und ihnen Teilhabe zu schenken. Wir unterstützen Familien und Einrichtungen unter anderem mit Schulmaterialien, Kleidung, Lernmitteln und gezielten Hilfsangeboten. Besonders wichtig ist uns dabei, nicht nur akute Notlagen zu lindern, sondern Kindern positive Erfahrungen zu ermöglichen, die ihr Selbstvertrauen stärken und ihre Entwicklung fördern. Mit unseren Ferienpatenschaften schaffen wir beispielsweise Erlebnisse, die für viele Kinder sonst unerreichbar wären.
Hierzu gehören etwa ein- bis zwei-wöchige Ferienaufenthalte an der See oder in den Bergen – meistens in Zeltlagern oder Jugendherbergen – oder auch Tagesausflüge – zum Beispiel in den Zoo, Kletterpark oder ins Museum.
Welchen Effekt haben die Ferienpatenschaften auf die Kinder?
Die Wirkung der Ferienpatenschaften ist beeindruckend. Viele der Kinder, die wir unterstützen, haben noch nie einen Urlaub erlebt oder einen Ausflug außerhalb ihres gewohnten Umfelds gemacht. Durch die Ferienpatenschaften erhalten sie die Möglichkeit, Neues zu entdecken, Freundschaften zu schließen und einfach Kind sein zu dürfen.
Wir erleben immer wieder, wie die Kinder nach diesen Erfahrungen gestärkt zurückkehren. Sie gewinnen Selbstvertrauen, sammeln positive Erinnerungen und erleben Wertschätzung. Für viele Kinder sind diese Erlebnisse weit mehr als nur Ferien: Sie schaffen neue Perspektiven und stärken soziale Kompetenzen. Besonders stolz sind wir auf unsere Kinderglück-Finca auf Mallorca, die Kindern aus betreuten Einrichtungen eine besondere Auszeit ermöglicht und oft nachhaltige positive Impulse für ihre persönliche Entwicklung setzt.
Für die Kinder, die mit ihren Betreuer*innen anreisen, sind die Aufenthalte in der Finca wahre Auszeiten. Die Finca ist seit 2012 von einer mallorquinischen Familie angemietet und ermöglicht jedes Jahr etwa 120 Kindern eine erholsame Zeit. Der Aufenthalt beträgt in der Regel zwischen zehn und vierzehn Tagen.
Bei den Ferienpatenschaften arbeiten Sie eng mit Sozialarbeiter*innen, Jugendämtern und Kliniken zusammen: Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus und was bräuchte es, um noch mehr Kindern Zugang zu diesem Angebot zu ermöglichen?
Die Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Jugendämtern, Kliniken sowie vielen weiteren sozialen Einrichtungen ist für den Erfolg der Ferienpatenschaften entscheidend. Diese Partner kennen die Lebenssituationen der Kinder sehr genau und können diejenigen identifizieren, die besonders von einer Ferienmaßnahme profitieren würden.
Gemeinsam prüfen wir die Bedarfe und vermitteln die Kinder in passende Angebote. Durch diesen engen Austausch stellen wir sicher, dass die Unterstützung dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Um noch mehr Kindern Zugang zu ermöglichen, braucht es vor allem zusätzliche Förderung, Spenderinnen und Spender sowie Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen möchten.
Dafür kontaktieren wir Unternehmen direkt oder sie melden sich bei uns, wenn sie über die Medien von unseren Stiftungsprojekten erfahren haben und interessiert sind, mit uns eine Partnerschaft im Bereich Corporate Social Responsibility aufzubauen.
Der Bedarf an den Ferienpatenschaften ist deutlich größer als die verfügbaren Plätze. Jede zusätzliche Unterstützung hilft uns dabei, weiteren Kindern unvergessliche Erlebnisse und wichtige Entwicklungschancen zu ermöglichen.
Über die Stiftung
Die Stiftung Kinderglück engagiert sich seit vielen Jahren für Kinder und Jugendliche, deren Weg ins Leben von schwierigen Voraussetzungen geprägt ist. Kinderarmut, Krankheit, soziale Benachteiligung oder traumatische Erfahrungen dürfen nicht darüber entscheiden, welche Chancen ein Kind im Leben erhält. Deshalb entwickelt und realisiert die Stiftung eigene Hilfsprojekte, die direkt bei den betroffenen Kindern ankommen.
Dabei arbeitet die Stiftung eng mit Jugendämtern, Familienzentren, Schulen, Kliniken, Jugendhilfeeinrichtungen und sozialen Trägern zusammen. Durch dieses starke Netzwerk werden jährlich mehr als 30.000 Kinder erreicht. Das Schulranzenprojekt zählt dabei seit vielen Jahren zu den wichtigsten Projekten der Stiftung.
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