Eine demokratische Instanz: 16 deutsche Stiftungen starten einen eigenen Server im offenen Netzwerk Mastodon

Digitale Souveränität stärken – darum geht es bei dem Mastodon-Server stiftungen.social, den Rudolf Augstein Stiftung, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Joachim Herz Stiftung, Robert Bosch Stiftung, VolkswagenStiftung und ZEIT STIFTUNG BUCERIUS gemeinsam aufgesetzt haben. 

Laptop auf einem Schreibtisch, auf dem Bildschirm die Website der nebenan.de Stiftung mit dem Slogan „Social networking that's not for sale." Im Hintergrund ein Bücherregal mit Ordnern.
© Rolf van Root / Unsplash
3 Minuten 02.06.2026
Gastbeitrag von: Jessica Staschen

Ausgangspunkt war die Session des Arbeitskreises Stiftungskommunikation auf dem Deutschen Stiftungstag 2025 in Wiesbaden. Dort wurde intensiv diskutiert, wie Stiftungen sich in ihrer Social-Media-Kommunikation unabhängiger von großen Tech-Plattformen wie Instagram, YouTube TikTok oder X machen können.  

Für eine digitale Unabhängigkeit  

Denn in den Netzwerken US-amerikanischer und chinesischer Konzerne nehmen Hass, Hetze und Desinformation massiv zu. Die Plattformen entziehen sich zudem ihrer Verantwortung und einer Regulierung. So wird das Vertrauen in Informationen untergraben, und gesellschaftliche Debatten werden durch Algorithmen verzerrt. Aus diesen und anderen Gründen haben einige der oben genannten Stiftungen schon Anfang 2024 die Plattform X verlassen, damals allerdings ohne echte Alternativen. Auf welcher Plattform wird man stattdessen aktiv? Und wie unterstützt man unabhängige soziale Netzwerke und neue digitale Räume?  

Die Universität Innsbruck und die Helmholtz-Gemeinschaft machen es vor: Neben den Profilen auf LinkedIn, Instagram und Co. bespielen die Organisationen zusätzlich einen weiteren Kanal auf einem dezentralen offenen Netzwerk, das nicht von amerikanischen oder chinesischen Big-Tech-Konzernen betrieben wird. Diese sogenannte Plus-1-Strategie wird von der Universität Innsbruck konsequent betrieben. Hier erhält jede*r neue Mitarbeitende, jede angebundene Organisation automatisch einen Mastodon-Account und damit die Einladung der Universität, dort aktiv zu kommunizieren. Die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt einen eigenen Server auf Mastodon für ihre Mitgliedzentren und ausgewählte Helmholtz-Initiativen.  

Aber auch Verwaltungen und Gerichte sind auf offenen Netzwerken aktiv. Die Justiz Schleswig-Holstein erklärt regelmäßig Gerichtsurteile, die Landeshauptstadt Mainz kommuniziert aktiv mit ihren Bürger*innen über Mastodon, und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin verknüpft ihre realen Austauschräume gleich mit digitalen Räumen.  

Mastodon funktioniert ähnlich wie früher Twitter oder jetzt X. Es ermöglicht genauso wie andere Plattformen das Teilen von kurzen Beiträgen, Diskussionen und Medien. Die Timeline wird dabei aber nicht von Algorithmen beeinflusst, und die Community ist größer, als man denkt. Vor allem im Bereich Wissenschaft finden sich hier viele Netzwerke wieder, die sich vorher auf Twitter/X ausgetauscht haben. Durch seine dezentrale Struktur aus vielen miteinander verbundenen Servern stärkt Mastodon zudem die digitale Souveränität und eine selbstbestimmte Online-Kommunikation.  

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die User-Experience bisher nicht, mit der auf den Big-Tech-Plattformen vergleichbar ist. Suche und Vernetzung sind mühsamer, und durch den fehlenden Algorithmus werden nicht gleich vorkuratierte Updates in die eigene Timeline gespült. Aber: Die Inhalte sind auch für Menschen zugänglich, die keine Accounts auf den Big-Tech-Plattformen nutzen oder nutzen wollen. Und genau hier liegt auch die Verantwortung von zivilgesellschaftlichen Akteuren oder öffentlichen Einrichtungen: Mit ihrer Präsenz in offenen Netzwerken können sie nachhaltig zur Informationssouveränität beitragen und Alternativen bieten.  

Willkommen im Fediverse 

Jessica Staschen auf dem 2MR-Festival
© Mathis Bauer / ZEIT STIFTUNG BUCERIUS

Mastodon ist Teil des sogenannten Fediverse, in dem noch weitere Plattformen existieren. Loops beispielsweise ist ein Angebot für kurze Videos, das ähnlich wie TikTok funktioniert. Das Besondere am Fediverse: Alle Plattformen können miteinander kommunizieren, denn sie sprechen alle die gleiche Sprache. Der zentrale Unterschied zu den Big-Tech-Plattformen, die nicht miteinander kompatibel sind, es sei denn sie gehören zu einer Konzernfamilie. Dort ist man im Silo des jeweiligen Netzwerks gefangen und verliert bei einem Wechsel in ein anderes Netzwerk alle Follower*innen. Ganz anders im Fediverse: Hier können die Ursprungsfollower*innen auch weiter die Posts sehen, wenn man zu einem anderen Server oder auch Netzwerk wechselt. 

Mit dem Start des Mastodon-Servers stiftungen.social ist in knapp einem Jahr aus den ersten Überlegungen Realität geworden. Gemeinsam mit den sechs initiierenden Stiftungen sind im Mai auf dem Server unter anderem die Allianz Foundation, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Nationalstiftung, Karg-Stiftung, Körber-Stiftung, Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, Michael Otto Foundation for Sustainability, Schöpflin Stiftung, taz panterstiftung und Carl-Zeiss-Stiftung gestartet. 

Die Präsenz auf Mastodon wurde von der gemeinnützigen Organisation Save Social – Networks For Democracy gemeinsam mit den initiierenden Stiftungen entwickelt und umgesetzt. Save Social tritt dafür ein, die demokratische Kraft des Internets zu erhalten und digitale Räume für Austausch und demokratische Debatte zu sichern. Das Netzwerk vereint mehr als 100 Akteur*innen der Zivilgesellschaft – von Greenpeace bis zum Deutschen Journalisten-Verband, von Marc-Uwe Kling bis zu Dota Kehr. 

Erstmals vorgestellt wurde das Projekt im Rahmen des 2MR-Festivals, das demokratiestärkende soziale Medien in den Mittelpunkt gestellt hat. Seitdem posten, liken und teilen die Stiftungen neben ihren Profilen auf LinkedIn, Instagram und Co. auch im Fediverse und haben sich innerhalb des ersten Monats beachtliche Follower*innen-Zahlen aufgebaut.  

Wie der Einstieg gelingt 

„stiftungen.social“ steht dabei als Absenderadresse für die Qualität und Authentizität der Botschaften und ist gleichzeitig Anlaufstelle für den Dialog mit einer wachsenden Community. Der Server ist auch offen für weitere Stiftungen. Ein Profil auf Mastodon anzulegen ist dabei ähnlich einfach, wie auf anderen Social Media Plattformen. Auch hier gibt es eine App oder die Möglichkeit sich über den Browser einen Account anzulegen. Man kann dann auswählen, auf welchem der unterschiedlichen Server man gerne „tröten“ – so heißt das Posten auf Mastodon – möchte. Welcher Server am besten zu einem passt, hängt von den eigenen Interessen ab. Wenn die Organisation oder Person beispielsweise wissenschaftlich interessiert ist, dann bietet sich ein Server wie wisskomm.social an. Einige Server sind offen und damit ist eine Anmeldung sofort möglich. Andere sind erstmal zugangsbeschränkt und es bedarf einer Freischaltung – so auch bei stiftungen.social. Der Einstieg für interessierte Stiftungen läuft hier über eine E-Mail an team.stiftungen@savesocial.eu. Durch diesen Schritt wird sichergestellt, dass alle Stiftungen bei stiftungen.social auf dem Boden der demokratischen Grundordnung im deutschsprachigen Raum aktiv sind.    

Mit ihrem Engagement auf stiftungen.social setzen die Stiftungen ein klares Zeichen für eine offene Informationsinfrastruktur in der digitalen Kommunikation, die frei von Algorithmen ist und auf einer europäischen Open-Source-Technologie basiert. 

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