Gemeinsam mehr erreichen: Wie Stiftungsnetzwerke vor Ort gestalten
Die meisten Stiftungen sind vor Ort fest verwurzelt. Laut einer Erhebung des Bundesverbandes von 2025 sind mehr als drei Viertel lokal oder regional engagiert. Die regionalen Stiftungslandschaften sind dabei enorm vielfältig: Manche Städte und Regionen sind Stiftungshochburgen, andere wiederum weisen eine geringe Stiftungsdichte auf. Alle Aktivitäten in der Region eint der Wunsch, die Gesellschaft und das Miteinander vor Ort zum Guten zu gestalten. Hier setzen regionale Stiftungsnetzwerke an: Sie schaffen Synergien und Austausch, bündeln Kräfte und vermitteln Know-how. Sie sind ein Spiegel der Stiftungslandschaft und des Engagements vor Ort, entsprechend vielfältig sind die Initiativen organisiert: Manche bestehen als Vereine und haben zahlreiche Mitglieder, andere bilden lose Zusammenschlüsse oder Netzwerke mit ausgewählten Akteuren. Manche sind von öffentlichen Stellen koordiniert, andere wiederum aus dem Engagement von Stiftungen.
„Regionale Stiftungsnetzwerke sind häufig ein unverzichtbarer Akteur für das zivilgesellschaftliche Engagement vor Ort. Sie haben starkes Potential, große Wirkung zu entfalten, da sie die Bedarfe und relevanten Akteure vor Ort kennen und durch Vernetzung und Wissensvermittlung einen Mehrwert für die lokal agierenden Stiftungen schaffen”, sagt Dr. Mira Nagel, Leiterin Mitgliederservice und Vernetzung und Mitglied der Geschäftsleitung beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. “Durch gezielte Angebote und Kommunikation tragen sie wesentlich zur Wirkung und Sichtbarkeit der Stiftungsaktivitäten vor Ort bei. Der Bundesverband ist bundesweit mit mehr als 26 regionalen Stiftungsnetzwerken in starker Partnerschaft für die Region verbunden. Wir ermöglichen Austausch und Vernetzung für die Akteure aus der Region, um voneinander zu lernen und Wissen und Erfahrung auszutauschen – nicht jede*r muss das Rad und gut funktionierende Angebote ja neu erfinden”. Für die Stiftungswelt haben wir drei sehr unterschiedliche Netzwerke gebeten, sich und ihre Arbeit vorzustellen.
Landesnetz der Stiftungen MV
Obwohl die Stiftungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern sich im bundesweiten Vergleich weder durch eine besonders hohe Dichte (Stiftungen pro Einwohnerzahl) noch durch zahlenmäßige Stärke auszeichnet, sind die lokalen Akteure sehr engagiert. Ihre Aktivität zeigt sich vor allem in Vernetzung, Veranstaltungen und regionalem Engagement. Daran hat das Landesnetz der Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern einen großen Anteil. Der Verein wurde im Jahr 2022 als Landesverband für gemeinnützige Stiftungen, die ihren Sitz in Mecklenburg-Vorpommern haben, gegründet. Ausschließlich Stiftungen sind als Mitglieder zugelassen. Von den 203 Stiftungen bürgerlichen Rechts sind derzeit 68 Stiftungen beigetreten. Der gemeinnützige Verein dient der Förderung und dem Aufbau des Stiftungswesens in Mecklenburg-Vorpommern. Er arbeitet als Netzwerk und fördert die Arbeit der Stiftungen und Projekte und gestaltet Fortbildungen zu stiftungsrelevanten Themen, insbesondere durch Landesstiftungstage, Seminare und andere Veranstaltungen. 2025 haben wir beispielsweise ein Webinar zu Partnerschaften mit Unternehmen im Bereich Fundraising angeboten und die Hasenwinkeltagung durchgeführt.
Für das Jahr 2026 planen wir wieder als Vernetzungsangebot einen Tag der Neustiftenden mit Justizministerin Jacqueline Bernhardt. Zudem legen wir in diesem Jahr unter dem Motto „Potenziale erkennen, Gründungen fördern, Engagement stärken“ eine Reihe von regionalen Veranstaltungen für Unternehmensstiftungen in Mecklenburg-Vorpommern auf. Nachdem der Landesstiftungstag 2024 in Stralsund tagte, wird er am 7. November 2026 in Schwerin stattfinden – Thema: „Zivilgesellschaft braucht uns Alle. Wir haken uns ein“. Dies unterstreicht die Rolle von Stiftungen als Teil der aktiven Zivilgesellschaft sowie ihr Engagement für die Demokratie. Der landesweite Stiftungstag schließt, wie es bereits seit vielen Jahren Tradition ist, mit einem Abend-Empfang der Landesregierung ab – ein wertschätzendes Zeichen für die teilnehmenden Stiftungen und ihr Engagement.
Der Landesverband unterstützt seine Mitglieder auch bei Kommunikationsmaßnahmen: So hat er die Website www.mv-stiftungen.de eingerichtet, auf der sich die Mitglieder mit einer Profilseite präsentieren können. Auch über die Arbeit des Landesnetzes wird dort berichtet. Auf Instagram sind wir unter mvstiftungen aktiv. Somit ist es uns gelungen, auch die Stiftungskommunikation innerhalb eines Bundeslandes zu stärken.
Text: Sebastian Kriedel
Stiftungsinitiative Nürnberg
Stiften hat in Nürnberg eine jahrhundertelange Tradition. Bereits 1339 gründete Konrad Groß die Heilig-Geist-Spital-Stiftung, die heute städtisch verwaltet wird. Mehr als 200 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts sind in der Stadt aktiv und engagieren sich für Bildung, Soziales, Kultur, Umwelt und viele weitere gemeinnützige Zwecke. Hinzukommen zahlreiche Stiftungen anderer Rechtsformen. Und jährlich werden neue Stiftungen gegründet. Vor diesem Hintergrund wurde 2010 die Stiftungsinitiative Nürnberg ins Leben gerufen, um bestehende Aktivitäten stärker zu vernetzen, fachlichen Austausch zu fördern und Impulse für die Weiterentwicklung des Stiftungswesens in der Region zu setzen. Angesiedelt ist die Initiative beim Referat für Finanzen, Personal und IT der Stadt Nürnberg.
Zu ihr gehören acht Partner: die Brochier-Stiftung, die Bürgerstiftung Nürnberg, die Stiftung Deutschland im Plus, die Sparkasse Nürnberg, die HypoVereinsbank, die Ökumenische Stiftungsinitiative, die in.media.vitae foundation sowie das Sozial- und Finanzreferat der Stadt Nürnberg inklusive der städtischen Stiftungsverwaltung. Sie bringen unterschiedliche Kompetenzen aus Stiftungsverwaltung, Vermögensmanagement und operativer Stiftungsarbeit in das Netzwerk ein.
Unter dem Motto „Informieren, Vernetzen, Ermutigen“ macht die Stiftungsinitiative das Thema Stiften ganzjährig sichtbar und bietet eine zentrale Anlaufstelle für Stifter*innen und die, die es werden wollen. Regelmäßige Newsletter, Pressearbeit, Informationsveranstaltungen und der Austausch im Netzwerk informieren über aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten des Stiftens. Auch richtet die Stiftungsinitiative ihren Blick gezielt auf aktuelle Bedarfe und macht auf thematische oder strukturelle Lücken in der Nürnberger Stiftungslandschaft aufmerksam.
Eine zentrale Veranstaltung ist der jährlich stattfindende Nürnberger Stiftungstag. Unter verschiedenen Schwerpunktthemen bringt er bereits aktive sowie potenzielle Stifter*innen, Stiftungsexpert*innen sowie interessierte Bürger*innen zusammen. Neben Vorträgen und Diskussionen steht die Vernetzung am Stiftungstag im Mittelpunkt. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des Nürnberger Stiftungspreis, der jährlich Stifterinnen und Stifter würdigt, die mit ihrem Engagement beispielhaft vorangehen und Impulse für andere setzen.
Unter dem Motto „Zuhause.Stiften – Gut wohnen in lebendigen Nachbarschaften“, hat sich der letztjährige Stiftungstag mit der Frage beschäftigte, wie Stiftungen zur Sicherung von bezahlbarem Wohnraum und zur Nachbarschaftsgestaltung beitragen können. Denn wie in vielen Großstädten ist auch in Nürnberg das Finden von bezahlbarem und geeignetem Wohnraum eine Herausforderung. Aus diesem thematischen Schwerpunkt heraus wurde 2026 die Stiftung „Zuhause in Nürnberg“ initiiert, die langfristig sozialen Wohnraum sichern und neue Beteiligungsmöglichkeiten für stifterisches Engagement schaffen soll.
Der 14. Nürnberger Stiftungstag findet am 23. Juli 2026 im Historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg statt. Das diesjährige Motto lautet „Demokratie.Verantwortung.Stiften“. Im Fokus wird die Frage stehen, wie Stiftungen Demokratie vor Ort wirksam stärken können und sollten. Eingeladen sind alle, die sich in und für Nürnberg engagieren möchten oder sich für das Thema Stiften interessieren und den fachlichen Austausch suchen.
Text: Teresa Döbrich
© Giulia Iannicelli
Das Stiftungsnetzwerk rund um das Stiftungsbüro Hamburg
Hamburg gilt mit rund 1.540 Stiftungen als Stiftungshauptstadt Deutschlands und liegt unter den Bundesländern auch mit der Stiftungsdichte vorn. Die Vielfalt an Themen und Stiftungsformen ist groß. Ihren gemeinsamen Nenner finden sie in unserer offenen, pluralen und vielfältigen Stadtgesellschaft, die gleichzeitig durch die Stiftungen geprägt und gefördert wird. Je unmittelbarer erlebbar, transparenter und sichtbarer diese Arbeit wird, desto stärker wirkt sie. Das gilt nicht nur für die eigenen Zielgruppen der einzelnen Stiftungen, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Diese Überzeugung lebt das Stiftungsbüro Hamburg als regionales Stiftungsnetzwerk und Gemeinschaftsprojekt von und für Stiftungen. Initiiert rund um das Jahr 2000, baut das Stiftungsbüro gemeinsam mit Hamburger Stiftungen Brücken vom Stiftungssektor in die breite Öffentlichkeit und sorgt für mehr Wahrnehmung ihrer gemeinnützigen Arbeit. Das Stiftungsbüro Hamburg ist in der BürgerStiftung Hamburg verortet und wird in Kooperation von Hamburger Stiftungen getragen. Das Herzstück bilden dabei die jährlichen Hamburger Stiftungstage, die sich als Aktionswoche in der ganzen Hansestadt zu einer zentralen Plattform für Austausch, Kooperation und öffentliche Sichtbarkeit der Stiftungsarbeit in der Region entwickelt haben. Sie finden in diesem Jahr vom 19. bis zum 28. Juni statt.
Zentrales Ziel der Stiftungstage und des damit wachsenden Netzwerks ist es, die Vielfalt und Relevanz des Stiftungshandelns in Hamburg sichtbarer zu machen, den Austausch zwischen Stiftungen und der Zivilgesellschaft zu fördern und die Bürger*innen aktiv einzubeziehen. Gerade in Zeiten komplexer Herausforderungen ist es eine Einladung, das Potenzial und den Reichtum unserer Zivilgesellschaft zu entdecken und es zugunsten von innovativen Lösungen, mehr Miteinander und einer lebendigen offenen Gesellschaft zu stärken.
Sinnbildlich wird das seit 2024 an Hamburgs längster Tafel für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt erlebbar: Beim Highlight der Stiftungstage gestalten mehr als 140 Organisationen aus der Stadtgesellschaft eine 400 Meter lange Tafel im Herzen der Stadt auf dem Rathausmarkt und bitten zu Tisch.
Mit den Aktionstagen erneuert und erweitert sich das Netzwerk jedes Jahr. Jährlich beteiligt sich eine wachsende Anzahl Stiftungen sowie ihre Partnerorganisationen an den Aktivitäten – allein bei den Stiftungstagen 2025 waren rund 150 Stiftungen an Bord. Damit entsteht ein dynamisches Netzwerk, das sich kontinuierlich erweitert und unterschiedliche Akteure aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Bildung einbindet.
Das Stiftungsbüro Hamburg, das die Hamburger Stiftungstage organisiert, gestaltet zu den Aktionstagen und darüber hinaus ein lebendiges Mit- und Füreinander in der Hamburger Stiftungslandschaft. Ganzjährige Öffentlichkeitsarbeit für Hamburger Stiftungen, Netzwerk- und Austauschformate mit jährlich mehr als 800 Teilnehmenden, Beratung und Branchen-News prägen die Plattform, die das Stiftungsbüro zugunsten eines collective impact jedes Jahr gestaltet.
Text: Morten Jendryschik
Weiterführende Informationen
- Stiftungsnetzwerke in Deutschland sind regional und lokal gut vernetzt. Beim Bundesverband Deutscher Stiftungen geben einen Überblick über uns bekannte Initiativkreise und andere Vereinigungen: Stiftungsnetzwerke | Bundesverband Deutscher Stiftungen
- Die regionalen Stiftungslandschaften sind sehr unterschiedliche aufgestellt. Die detaillierten Ländersteckbriefe des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen geben mit Zahlen und Fakten einen Überblick: Stiftungen regional | Bundesverband Deutscher Stiftungen