Drei Fragen an … die Körber-Stiftung

Wie entstehen Orte, an denen Menschen zusammenkommen, Ideen austauschen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken? Mit ihrem Netzwerk „Dritte Orte für Begegnung“ bringt die Körber-Stiftung Menschen und Organisationen aus ganz Deutschland zusammen. Mit Dorothea Kerrutt, der Leiterin des Programms Engagement und Begegnung, sprechen wir darüber, welche Hilfestellung das Netzwerk leistet und wie weitere Akteure mitmachen können.

Sommerfest im KörberHaus
© Claudia Höhne
1 Minute 27.08.2026
Gesprächspartnerin: Dorothea Kerrutt

Welche Unterstützung bietet das Netzwerk Menschen oder Organisationen, die selbst einen Dritten Ort entwickeln möchten?

Im Mittelpunkt steht die Vernetzung – und zwar ganz bewusst über Sektorengrenzen hinweg. Wir bringen Akteur*innen zusammen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven für Dritte Orte engagieren. Dabei adressieren wir zwei Ebenen: lokal und bundesweit.

Wir unterstützen Menschen, die Dritte Orte in ihren Kommunen aufbauen und mit viel Engagement am Laufen halten. Sie schaffen Begegnung und sorgen dafür, dass aus gesellschaftlichem Nebeneinander ein Miteinander wird. Wir vernetzen sie, ermöglichen den Austausch über Erfahrungen und Lösungen und schaffen Räume, in denen sie voneinander lernen können. Dafür haben wir unter anderem das digitale Format Ortsgespräch entwickelt, das Peer-to-Peer-Lernen ermöglicht und den direkten Austausch zwischen den Gestalter*innen von Dritten Orten fördert.

Ein weiterer Baustein unseres Programms ist die dOrt – Die Dritte Orte Konferenz, die in diesem Jahr erstmalig bundesweit alle Akteursgruppen zusammengebracht hat. Hier geht es um Vernetzung über Sektoren und Regionen hinweg mit dem Ziel, neue Kooperationen anzustoßen und Dritte Orte als wichtige Infrastruktur für Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Wir werden am 25. und 26. Februar 2027 dazu wieder nach Hamburg in das KörberHaus einladen.

Gleichzeitig wirken wir auf der Metaebene. Im Round Table Dritte Orte bringen wir aktuell 25 bundesweit wirksame Forschungsorganisationen, Stiftungen, Förderprogramme, Verbände und weitere Institutionen zusammen. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass Dritte Orte in Politik und Verwaltung als das wahrgenommen werden, was sie sind: eine unverzichtbare Infrastruktur für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dazu haben wir im Februar ein Statement veröffentlicht und eine Mitmachkampagne gestartet. Wir sind auch weiter im regelmäßigen Austausch und bündeln unsere Kräfte, um auf unseren verschiedenen Kanälen für bessere Rahmenbedingungen für Dritte Orte zu werben.

Wer kann mitmachen und was sollte der erste Schritt für Interessierte sein?

Mitmachen können alle, die Dritte Orte planen, gestalten oder ermöglichen – von Bibliotheken, Kultur- und Nachbarschaftszentren über Vereine und Initiativen bis hin zu Kommunen, engagierten Einzelpersonen oder Förderern. Der erste Schritt ist, mit uns in Kontakt zu treten und unsere Angebote und Mitmachkampagne kennenzulernen. Wir laden dazu ein, das eigene Wissen zu teilen, aber auch die eigenen Interessen einzubringen. Viele Dritte Orte werden von einzelnen, hoch engagierten Menschen getragen. Sie entwickeln Ideen, organisieren den Betrieb, gestalten Programme, bauen Beziehungen auf und halten oft mit großem persönlichem Einsatz alles zusammen. Genau deshalb wollen wir ihnen mit niedrigschwelligen Austauschformaten und neuen Impulsen den Rücken stärken: Für die kostenfreie dOrt-Konferenz stellen wir beispielsweise ein Kontingent bereit, damit auch Macher*innen ohne finanzielle Möglichkeiten teilnehmen können.

Welche Erfahrungen und Herausforderungen teilen die beteiligten Orte aktuell besonders häufig?

Fast überall hören wir dasselbe: Die soziale Infrastruktur dünnt zunehmend aus, Abgrenzung und Rückzug ins Private sind die Folge. Der Bedarf an Orten für Begegnung wächst, aber verlässliche Strukturen fehlen. Die größte Herausforderung ist, Finanzierung und hauptamtliche Begleitung dauerhaft zu sichern. Denn Dritte Orte entstehen nicht allein durch Gebäude, sondern durch Menschen, die Beziehungen gestalten, Beteiligung organisieren und Verantwortung übernehmen. In Zeiten klammer Kassen werden Dritte Orte oft als nice-to-have bewertet. Aus unserer Sicht sind sie unverzichtbar. Sie haben das Potenzial Ankerpunkte für aktive Zusammenarbeit von Kommune, Zivilgesellschaft wie auch lokaler Wirtschaft zu sein, um Kräfte zu bündeln und gemeinschaftlich Verantwortung für die lokalen Bedarfe zu übernehmen. Darüber hinaus werben in einigen Regionen antidemokratische Akteure ebenfalls mit dem Versprechen von Gemeinschaft und besetzen zunehmend lokale Räumlichkeiten. Demokratische Dritte Orte sind deshalb heute wichtiger denn je: Sie schaffen Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Hintergründe miteinander ins Gespräch kommen, Vertrauen wachsen kann genauso wie die Lust auf Mitgestaltung. Deshalb stärken wir die Menschen vor Ort und setzen uns bundesweit dafür ein, dass Dritte Orte die politische Anerkennung und Unterstützung erhalten, um ihr volles Potenzial zu heben.


Über die Stiftung

Die Körber-Stiftung stellt sich mit ihren operativen Projekten, in ihren Netzwerken und mit Kooperationspartnern aktuellen Herausforderungen in den Handlungsfeldern „Wissen für morgen“, „Internationale Verständigung“ und „Lebendige Bürgergesellschaft“. 1959 von dem Unternehmer Kurt A. Körber ins Leben gerufen, ist die Stiftung heute von ihren Standorten Hamburg und Berlin aus national und international aktiv.

Über die Gesprächspartnerin

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