• Weltwassertag 2026

Von alten Inka-Techniken und neuen Nebelfischern: Wie die WasserStiftung Zugang zu sauberem Wasser schafft

Der Weltwassertag am 22. März lenkt einmal im Jahr die Aufmerksamkeit auf einen unerträglichen Missstand: Weltweit haben rund 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Etwa 115 Millionen Menschen sind auf eine Versorgung durch Oberflächenwasser aus Flüssen, Seen oder Tümpeln angewiesen. Um sich diesem globalen Problem entgegenzustellen, nutzt die WasserStiftung nicht nur jahrhundertalte Inka-Methoden, sondern auch Innovationen wie Nebelkollektoren, die Wasser aus der Luft fischen. 

Monica Denomy und Luca Wesel von der WasserStiftung mit Mitgliedern des Wasserkomitees sowie der bolivianischen Partnerorganisation ICO.
© WasserStiftung
4 Minuten 02.03.2026
Gastbeitrag von: Susanne John

Insgesamt mehr als 200.000 Menschen in Eritrea, Äthiopien, Tansania, Marokko, Bolivien und Peru hat die WasserStiftung in den 25 Jahren ihres Bestehens bereits Zugang zu sauberem Trinkwasser und damit ein Leben in Würde und Eigenverantwortung ermöglicht. Wie das funktioniert, zeigt sich beispielsweise im Fokusland Bolivien mit zwei sehr unterschiedlichen Projekten: einer Anlage mit 14 CloudFisher-Nebelkollektoren zur Wasserversorgung im bolivianischen Hochland und einem Projekt zur Revitalisierung übernutzter Weideflächen und Wiederaufforstung im Amazonasgebiet. 

CloudFisher liefern Trinkwasser aus Nebel – ohne Energieeinsatz

Die von der WasserStiftung entwickelten CloudFisher, die mit ihren Netzen das Wasser quasi aus der Luft „fischen“, sind mittlerweile gut erprobt und stellen seit Jahren ihre nachhaltige Wirksamkeit in geeigneten Regionen unter Beweis. Durch die Nebelkollektoren verbessern sich die Lebensumstände zahlreicher Menschen – insbesondere der Frauen – in Marokko, Tansania, Peru und Bolivien.

Das Projekt im bolivianischen Valles Cruceños hat drei Jahre gedauert: 2022 wurden die CloudFisher an die Gemeinden übergeben. Seitdem haben Kinder in zwei Schulen und Familien in zwei Dörfern auf 3.000 m Höhe dauerhaft sauberes Wasser zur Verfügung. Dabei ist es wichtig, niemanden von „Zuwendungen” abhängig zu machen, sondern den Menschen vor Ort durch verbesserte Rahmenbedingungen und gezielte Workshops zu Selbstständigkeit zu verhelfen. 

Das beginnt schon in den Schulen. Die Lehrerin Maribel Acuña sagte damals mit Blick auf die dortigen Sensibilisierungsmaßnahmen: „Es liegt in den Händen der Lehrkräfte, die neue Generation zu lehren, das Wasser als kostbare Ressource zu schützen und zu achten.“

Bei einem Projektbesuch 2025 hat sich gezeigt, dass das Prinzip der Selbstverantwortung greift: Die Anlage wird gut gewartet. Ein Wasserkomitee, das die Instandhaltung der Anlage koordiniert, kümmert sich um die regelmäßige Reinigung der Netze. Außerdem sorgt es dafür, dass es rund um die Nebelnetze keine Verbuschung gibt, die den Wind bremsen könnte. So kann der reichhaltige Nebel ungehindert durch die Netze strömen und dort die kleinen Tröpfchen bilden, die über die Auffangrinnen ins Wasserleitungssystem fließen. 

Monica Denomy und Luca Wesel von der WasserStiftung überprüfen drei Jahre nach Projektabschluss die Funktionstüchtigkeit der CloudFisher im nebelreichen bolivianischen Hochland.
© WasserStiftung

Wandel durch Wald und Wasser

In einem bis 2026 laufenden Projekt am Amazonas wird die Wasserversorgung der Menschen wiederhergestellt, indem Regen- und Oberflächenwasser in den höher gelegenen Quellgebieten zurückgehalten wird und langsam im Boden versickert. So werden die Grundwasserspeicher aufgefüllt. Weiter unten gelegene Quellen und Brunnen führen dann wieder ganzjährig Wasser. Dies wird vor allem durch kleine Gräben und Staubecken, eingezäunte Schutzzonen und Wiederaufforstung erreicht.

Dabei kommt auch eine jahrhundertealte Praxis der Inka wieder zum Einsatz. Die Dorfbewohner*innen haben im Projektgebiet quer zu den Berghängen 2,8 Kilometer an Versickerungsgräben – sogenannte Zanjas – angelegt.

Die von den Dorfbewohnern angelegten 2,8 km langen Versickerungsgräben verbessern die Aufnahmefähigkeit der Böden.
© WasserStiftung

Im Projekt entstandene Baumschulen liefern mit einer Produktionskapazität von 136.000 Setzlingen pro Jahr das „grüne Gold“ für die Aufforstungsmaßnahmen im 446 Hektar großen Schutzgebiet. 50 Hektar wurden bereits mit 25.000 Setzlingen heimischer Baumarten bepflanzt. Ebenfalls in Eigenarbeit sind 4,2 Kilometer Baumreihen von den Dorfbewohner*innen als „Waldvorhänge“ gesetzt worden, um Winderosion zu verhindern.

Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe 

Zentraler Bestandteil der Projektarbeit sind die Schulungen der Menschen vor Ort zur nachhaltigen Landnutzung und zum Wassermanagement. An den zielgruppengerechten Workshops nahmen bislang die Kinder von sieben Schulen und 1.700 Erwachsene teil: Schlüsselakteur*innen in zwölf Gemeinden und neun Frauenorganisationen.

Mit Erfolg – wie die Aussagen des Bauern Iber Quispe Galarza zeigen: „Ich weiß von Freunden aus dem Nachbardorf, in dem schon ein Wiederaufforstungsprojekt umgesetzt wurde, dass der Schutz der Quellen durch Schutzgebiete zur Grundwasserneubildung funktioniert. Deshalb habe ich mich im Rahmen des Projekts AMAZONAS entschlossen, einige Quellen auf meinem Grundstück einzuzäunen, da ich Kühe habe, die dort frei herumlaufen. Der Techniker sagte mir, dass mir das Projekt durch die Bereitstellung der Materialien helfen könne und ich als Eigentümer nur die Arbeitskraft stelle. Ohne zu zögern habe ich zugestimmt. Auf diese Weise schütze ich 20 Hektar Land. Und meine Kinder und Enkel werden immer sauberes Trinkwasser haben.“

Der Bauer Iber Quispe Galarza macht mit. Ihn hat das Konzept der Wasser- und Naturschutzgebiete zum Erhalt der Wasserressourcen überzeugt.
© WasserStiftung

Die im Projekt gesetzten Anreize, die schädliche extensive Viehwirtschaft durch alternative Angebote lukrativer, aber nachhaltiger Landwirtschaft abzulösen, zeigen Wirkung – nicht zuletzt, weil Umweltschutz und Einkommenserwirtschaftung erkennbar im Einklang miteinander stehen. Viele Familien widmen sich nun erfolgreich dem Anbau von Äpfeln oder Erdbeeren, die auf den Märkten der umliegenden Dörfer verkauft werden. 

Breitgefächertes Maßnahmen-Portfolio sichert Wasserversorgung 

Um den Zugang zu sicherem Wasser zu schaffen, widmet sich die WasserStiftung seit 25 Jahren drei großen miteinander verzahnten Bereichen: 

1. Gesicherte Wasserversorgung für Menschen in benachteiligten Regionen: Dies ist beispielsweise möglich durch innovative Technologien wie die CloudFisher-Nebelkollektoren oder die Reparatur defekter Wasserpumpen, aber auch ganz klassisch durch Brunnenbau und die Sanierung ungesicherter verschmutzter Wasserstellen, indem die Quellen sauber gefasst und gedeckelt werden.  

2. Zusammendenken von Wasserversorgung und dem Wiederherstellen funktionierender Ökosysteme: Dies ist Voraussetzung für den langfristigen Erhalt der Wasserressourcen und dient letztlich auch dem Klimaschutz. 

3. Know-how-Transfer: Wissensvermittlung und Bildung sind ganz wichtige Hebel für eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation von Familien und insbesondere für Mädchen und Frauen in benachteiligten Regionen des Globalen Südens. 

Dieser Dreiklang sichert die anhaltende Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen auf Dauer und ist damit ein Garant für eine erfolgreiche Stiftungsarbeit. 


Über die Stiftung

Die im Jahr 2000 gegründete WasserStiftung kann – unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama sowie des Künstlers und Umweltaktivisten Friedensreich Hundertwasser – auf eine sehr erfolgreiche Historie zurückblicken. Weit über 200.000 Menschen in Eritrea, Äthiopien, Marokko, Tansania, Peru und Bolivien haben heute Zugang zu reinem Trinkwasser und sauberen Sanitäranlagen, abgesichert durch die Einrichtung von zahlreichen Wasser- und Naturschutzgebieten und umfangreiche Wiederaufforstungsmaßnahmen. Dank des Engagements eines kleinen professionellen Teams sowie vieler kleiner und großer Spenden. 

Mehr Informationen unter: www.wasserstiftung.de | LinkedIn | YouTube | Instagram

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