Durch Zustiftung zur Unternehmenseigentümerin: Wie die Firma Wellhöfer und die Stiftung Juliusspital Würzburg zusammenfanden

Unternehmenszustiftungen sind für viele Stiftungen keine alltäglichen Vorgänge – das gilt auch für die Stiftung Juliusspital Würzburg. Als der Unternehmer Herbert Wellhöfer ihr seine Geschäftsanteile übertrug, wurde sie nicht nur Eigentümerin, sondern verantwortungsvolle Trägerin eines mittelständischen Unternehmens.  Das Beispiel zeigt, dass auch komplexe Vermögensformen erfolgreich in bestehende Stiftungsstrukturen integriert werden und so langfristig die Finanzkraft für die nachhaltige Zweckverwirklichung stärken können – sofern Werte, Ziele und Verantwortungsverständnis übereinstimmen.

Das Weinfass hat die Stiftung dem Ehepaar Wellhöfer als Dankeschön für die Zustiftung geschenkt. Es steht im 450 Jahre alten historischen Weinkeller und ist mit Wein gefüllt. Dort sind jene Projekte abgebildet, die die Stiftung durch die Zustiftung bereits umsetzen konnten
© Stefan Schmitt
1 Minute 10.03.2026
Gastbeitrag von: Maria Sippel

Zum 1. Januar 2011 übertrug der Würzburger Unternehmer Herbert Wellhöfer mit Unterstützung seiner Frau Sabine seine Geschäftsanteile an der Wellhöfer Treppen GmbH & Co. KG auf die Stiftung Juliusspital Würzburg. Der Entscheidung ging ein längerer persönlicher Abwägungsprozess voraus. Ein Unternehmensverkauf kam für den Stifter letztlich nicht in Frage, da die Zerschlagung des Betriebs drohte. Auch die Gründung einer eigenen Stiftung wurde erwogen, erschien jedoch mit Blick auf Bürokratie und dauerhafte Organisation nicht zielführend.

Auf der Suche nach einer bestehenden Stiftung, deren Werte, Stabilität und Zweck überzeugten, fiel die Wahl auf die Stiftung Juliusspital Würzburg – eine der ältesten und größten gemeinnützigen Stiftungen Deutschlands, deren Auftrag „Helfen & Heilen“ seit 1576 besteht. „Ich freue mich, wenn die Potenz, die wir in unserem Unternehmen erarbeiten, einem sinnvollen Zweck zugeführt wird,“ so Herbert Wellhöfer.

Der Unternehmer Herbert Wellhöfer stiftete sein Unternehmen der Stiftung Juliusspital Würzburg zu.
© Stefan Schmitt

Ein Gewinn für beide Seiten

Die Zustiftung bedeutete für die Stiftung Juliusspital einen besonderen Zugewinn, da sie nicht allein Vermögen, sondern ein wirtschaftlich gesundes, werteorientiert geführtes mittelständisches Unternehmen umfasste. Die Erträge der Firma Wellhöfer stärken seither nachhaltig die wirtschaftliche Basis der Stiftung und ermöglichen es, ihren sozialen Auftrag langfristig und unabhängig zu erfüllen.

Im Sinne des Stiftungsgründers Julius Echter, der bereits im 16. Jahrhundert auf ertragbringendes Vermögen in Form von Weinbergen, Ackerland und Wäldern als Grundlage für die Erfüllung seines Stiftungsauftrags setzte, fügt sich die Unternehmenszustiftung konsequent in das Selbstverständnis der Stiftung ein: wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln, um Fürsorge, Nächstenliebe und Hilfe für kranke, alte und sterbende Menschen zu ermöglichen.

Für den Zustifter bot die Zustiftung mehrere Vorteile: Das Lebenswerk blieb als Einheit erhalten, die etwa 60 Arbeitsplätze wurden gesichert und das Unternehmen kann in seinem Geist fortgeführt werden. Zugleich war gewährleistet, dass die erwirtschafteten Gewinne einem klar definierten, sinnstiftenden Zweck zugutekommen.

Im Ergebnis der Zustiftung ist es zudem gelungen, auch die Mitarbeitenden der Firma für diesen Schritt zu begeistern. Sie wissen, dass sie mit ihrer täglichen Arbeit weiterhin unternehmerisch erfolgreich sind – und zugleich für eine gute Sache wirken. Diese gewachsene Verbundenheit mit der Stiftung und ihrem sozialen Auftrag ist bis heute deutlich spürbar.

Herbert Wellhöfer brachte dies selbst so auf den Punkt: „Mich hat überzeugt, dass die Stiftung Juliusspital nicht nur werteorientiert und nachhaltig agiert, sondern sich auch stets weiterentwickelt hat, um einen ‘Mangel der Zeit‘ zu beheben – ein Grundsatz, der meinem eigenen unternehmerischen Denken entsprach.“

Die Zustiftung stärkt die Finanzkraft der Stiftung dauerhaft und schafft Planungssicherheit für soziale Aufgaben, die auf langfristige Verlässlichkeit angewiesen sind: So konnten unter anderem der Bau des stationären Juliusspital Hospizes in Würzburg 2013 sowie die Sanierung der „Kirche Mariä Schutz“ auf der Vogelsburg an der Mainschleife realisiert werden. Beides sind Projekte, die ohne diese zusätzliche finanzielle Stabilität deutlich schwerer umzusetzen gewesen wären.

Kein alltäglicher Vorgang

Die Übertragung eines operativen mittelständischen Unternehmens stellt auch für die Stiftung Juliusspital einen besonderen Schritt dar. Sie zeigt sie exemplarisch, dass auch komplexe Vermögensformen erfolgreich in bestehende Stiftungsstrukturen integriert werden können – sofern Werte, Ziele und Verantwortungsverständnis übereinstimmen.

Auch heute führen wir immer wieder Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Lebenswerk in eine Stiftung einzubringen. Solche Prozesse sind jedoch langfristig angelegt: Am Anfang steht stets das persönliche Kennenlernen, der Aufbau von Vertrauen und die gemeinsame Klärung von Perspektiven. Erst wenn sich zeigt, dass Wertebasis und Zukunftsvorstellungen zusammenpassen, können konkrete Schritte folgen.

Neben Unternehmenszustiftungen darf die Stiftung Juliusspital regelmäßig auch Vermächtnisse und Erbschaften entgegennehmen. Spenden, Nachlässe oder die Übertragung von Immobilien und anderen Vermögenswerten tragen wesentlich dazu bei, Projekte umzusetzen, die den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen – etwa im Hospiz, in der Pflegebildung oder beim Erhalt unserer Einrichtungen. Die Verwendung wird dabei stets persönlich, respektvoll und vertrauensvoll im Sinne der Erblasserinnen und Erblasser geregelt.

Der Prozess der Zustiftung war geprägt von enger Abstimmung, gegenseitigem Vertrauen und sorgfältiger Vorbereitung. Die Übertragung der Gesellschaftsanteile wurde Ende 2010 notariell geregelt. Für die Stiftung bedeutete dies, Verantwortung als Gesellschafterin zu übernehmen, ohne in das operative Tagesgeschäft einzugreifen.

Bis heute arbeitet die Stiftung mit den Geschäftsführungs- und Gremienstrukturen der Firma Wellhöfer in klar definierten Rollen zusammen. Diese Trennung von unternehmerischer Führung und stiftungsseitiger Verantwortung hat sich bewährt.

Aufwand und langfristiger Nutzen

Karsten Eck ist Oberpflegamtsdirektor und Leiter der Stiftung Juliusspital Würzburg.
© Jonas Blank

Eine Unternehmenszustiftung ist mit rechtlichen, steuerlichen und organisatorischen Fragestellungen verbunden. Aus heutiger Sicht lässt sich jedoch sagen: Der Aufwand steht in einem guten Verhältnis zum langfristigen Nutzen. Die Stiftung Juliusspital würde eine solche Zustiftung – bei entsprechender Passung – wieder annehmen. Entscheidend sind Transparenz, gegenseitiges Vertrauen und ein gemeinsames Wertefundament.

Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmenszustiftungen eine tragfähige und wirkungsvolle Form des Engagements sein können – für Unternehmer*innen ebenso wie für empfangende Stiftungen. Sie verbinden Verantwortung für ein Lebenswerk mit nachhaltiger Wirkung für die Gesellschaft. „Die Zustiftung der Firma Wellhöfer hat die wirtschaftliche Grundlage unserer Stiftung nachhaltig gestärkt. Sie ermöglicht uns, unseren sozialen Auftrag ‚Helfen & Heilen‘ langfristig verlässlich zu erfüllen und wichtige Projekte für kranke, alte und sterbende Menschen zu realisieren,“ sagt Karsten Eck, Oberpflegamtsdirektor und Leiter der Stiftung Juliusspital Würzburg.


Über die Stiftung

Die Stiftung Juliusspital Würzburg wurde 1576 vom Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gegründet. Ihr Auftrag ist seit 450 Jahren die Versorgung von alten, kranken und sterbenden Menschen auf Basis der christlichen Nächstenliebe. Mit den Erträgen aus den wirtschaftlichen Geschäftsbereichen wie dem Weingut, der Land- und Forstwirtschaft sowie dem Grund- und Immobilienbesitz und der zugestifteten Firma Wellhöfer erfüllt die Stiftung ihren sozialen Auftrag – in der Seniorenpflege und in der medizinischen Versorgung, in der Pflegebildung und spezialisierten Beratung sowie in der Palliativ- und Hospizarbeit. Mehr unter: www.juliusspital.de

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