Für jeden Topf ein Deckel: Wie vier Stiftungen Ehrenamtliche und Organisationen zusammenbringen

Gemeinnützige Organisationen leben von Menschen – haupt- und ehrenamtlich. Damit Engagement passt, braucht es jedoch gezieltes Matching. Hier spielen Stiftungen dank ihrer guten Netzwerke eine wichtige Rolle: Manche betreiben eigene Freiwilligenagenturen, andere digitale Plattformen, viele kombinieren beides. So lässt sich prüfen, ob Zeit, Fähigkeiten und Interessen zusammenpassen. Besonders aktiv sind Bürgerstiftungen: „Freiwilligenmanagement gehört zur DNA aller 435 Bürgerstiftungen in Deutschland“, sagt Ulrike Reichart, Leiterin Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands. „Ob in Eigenregie, im Schulterschluss mit lokalen Freiwilligenagenturen oder gleich mit einer eigenen unter dem Stiftungsdach – überall schaffen Bürgerstiftungen damit Orte, an denen der Zusammenhalt wächst und Menschen erleben, wie wirksam ihr Engagement sein kann.“  

Wir haben vier Stiftungen gebeten, ihre Angebote vorzustellen: Die Stiftung Gute-Tat bringt unter anderem mit ihrer Talentbörse Ehrenamtliche und Organisationen in Berlin, München und Hamburg zusammen. Die Stiftung Unionhilfswerk kombiniert in vier Berliner Bezirken digitale und persönliche Angebote. Die Plattform ehrensache.jetzt der Bürgerstiftung Dresden ist inzwischen in allen sächsischen Landkreisen vertreten. Die Bürgerstiftung Barnim-Uckermark baut neben der Freiwilligenagentur Eberswalde aktuell ein Angebot für Prenzlau und Umland auf. 

Sechs Personen schauen in die Kamera. Sie sind irgendwo draußen, im Hintergrund sind Bäume und eine Brücke. Einige halten große blaue Müllsäcke in der Hand.
Engagierte beim Freiwilligentag in Eberswalde
© Bürgerstiftung Barnim-Uckermark
6 Minuten 09.12.2025

Angebote der Stiftung Gute-Tat

Die Stiftung Gute-Tat vermittelt seit 25 Jahren Ehrenamtliche an gemeinnützige Organisationen und Projekte in ganz Deutschland. Schon ab 16 Jahren kann man sich engagieren. In unserer Datenbank sind derzeit rund 1.700 Organisationen registriert, die nach Unterstützung suchen – darunter die Stiftung Unionhilfswerk, Stiftung Bildung, wellcome, ABSV, Sonay soziales Leben e. V. sowie zahlreiche Einrichtungen aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Soziales und Seniorenarbeit. 

Die Stiftung Gute-Tat ist regional breit aufgestellt: Wir bieten Engagement-Möglichkeiten in Berlin, München und Hamburg. 

Neben der Vermittlungsarbeit organisiert die Stiftung regelmäßig verschiedene Veranstaltungen, um Engagement sichtbar zu machen und Menschen zusammenzubringen – darunter den Marktplatz, das Philharmonie-Konzert, das Projekt Schüler Sozial Aktiv sowie unterschiedliche Aktionen im Bereich Unternehmensengagement. So schafft die Stiftung Gute-Tat nicht nur Möglichkeiten für freiwilliges Engagement, sondern fördert nachhaltige Partnerschaften in ganz Deutschland und gibt dem Thema insgesamt mehr Sichtbarkeit. 

Außerdem können Organisationen über die Plattform Talentbörse gezielt nach Ehrenamtlichen mit bestimmten Talenten, Interessen oder zeitlichen Kapazitäten suchen. Gleichzeitig finden Freiwillige dort Projekte, die zu ihren Fähigkeiten und Wünschen passen – von Kultur- und Musikangeboten über Sport bis hin zu sozialpädagogischen Tätigkeiten.  

Verschiedene Filter erleichtern die Suche auf der Website sowie der Talentbörse: 
• Aufgaben und Tätigkeiten im Projekt 
• Einsatzort und Region 
• Zeitlicher Umfang wie Wochentage, Uhrzeiten oder Dauer 
• Tätigkeitsbereiche, z. B. Bildung, Sport, Kultur, Soziales 
• Zielgruppen wie Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Senioren 

Ein praktisches Beispiel zeigt, wie dieser Vermittlungsprozess konkret aussieht: 
Eine Berliner Grundschule suchte aufgrund des Lehrkräftemangels dringend Unterstützung für zusätzliche Angebote wie Vorleseprojekte oder die Betreuung der Schulbibliothek, für die kaum Ressourcen vorhanden waren. Über die Vermittlung der Stiftung Gute-Tat fand die Schule eine Ehrenamtliche, die Freude am Umgang mit Kindern hat und sich regelmäßig einbringen wollte. Nach einem kurzen Kennenlernen übernahm sie wöchentliche Vorlesestunden für eine dritte Klasse und half zusätzlich dabei, die Schulbibliothek zu ordnen und für die Kinder attraktiver zu gestalten. Die Lehrkräfte wurden dadurch entlastet, die Kinder erhielten zusätzliche Aufmerksamkeit – und die Ehrenamtliche erlebte, wie wirksam und bereichernd ihr Einsatz ist. Dieses Beispiel zeigt, wie flexibel Ehrenamtliche dort unterstützen können, wo Schulen an ihre Grenzen stoßen. 

Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Menschen sich zwar grundsätzlich engagieren möchten, aber noch immer auf Hindernisse stoßen. Häufig fehlt die Orientierung, wo man überhaupt starten kann, oder es besteht Unsicherheit über den aufzubringenden Zeitaufwand und die Anforderungen an die eigenen Fähigkeiten. Auch familiäre oder berufliche Belastungen spielen eine Rolle. 

Die Stiftung Gute-Tat begegnet diesen Hürden mit klaren Informationen, persönlicher Begleitung und vielfältigen Engagementformaten – von einmaligen Aktionen bis hin zu regelmäßigen Einsätzen. Dank der Filtermöglichkeiten auf der Website können Interessierte genau angeben, was sie leisten möchten und welche Bedingungen für sie passen. So wird Engagement für Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen zugänglich. 

Text: Jessica Serno, Bereich Ehrenamtsmanagement & Freiwilligenkoordinatorin, Stiftung Gute-Tat 

Vier Personen (drei Frauen und ein Mann) in dunkler Kleidung schauen freundlich in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Luftaufnahme von Berlin.
© Stiftung Gute-Tat

Freiwilligenagenturen der Stiftung Unionhilfswerk

Als Stiftung Unionhilfswerk Berlin betreiben wir vier Freiwilligenagenturen – das Ehrenamtsbüro Reinickendorf, die Spandauer Freiwilligenagentur, das Sternenfischer Freiwilligenzentrum in Treptow-Köpenick sowie die oskar | freiwilligenagentur lichtenberg. Unser gemeinsames Ziel: Engagement für alle zugänglich machen und Menschen mit Organisationen zusammenbringen, die gut zueinander passen. Herzstück dieser Arbeit ist unsere Matching-Plattform, die ganz unkompliziert funktioniert: Interessierte können online nach Engagement-Möglichkeiten suchen, eigene Profile anlegen und direkt mit Einsatzstellen in Kontakt treten.   

Organisationen veröffentlichen dort ihre Engagement-Angebote. Diese vermitteln wir in persönlichen Gesprächen an potenzielle Freiwillige und bewerben sie auf weiteren Kommunikationskanälen wie Instagram, nebenan.de und Vostel. Unsere Matching-Plattform gleicht Interessen, Kompetenzen, Zeitbudgets und Einsatzorte miteinander ab – ein Verfahren, das gleichzeitig digital effizient und persönlich begleitet ist. Denn unsere Teams stehen jederzeit für Beratung zur Verfügung.  

Wir sind in vier Berliner Bezirken aktiv und kennen die regionalen Besonderheiten sehr genau. Deshalb filtern wir nicht nur nach Kategorien wie Soziales, Kultur, Umwelt oder Bildung, sondern auch nach zeitlichem Umfang, Barrierefreiheit, Zielgruppen oder Einsatzformaten – von regelmäßig bis projektbezogen, online oder vor Ort.  

Partner*innen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir arbeiten eng mit gemeinnützigen Organisationen, Nachbarschaftseinrichtungen, Verwaltungen, Projekten der Stadtteilarbeit und lokalen Initiativen zusammen. Diese Vernetzung sorgt dafür, dass das Engagement genau dort ankommt, wo es gebraucht wird – und dass neue Projekte entstehen können, wenn Bedarfe sichtbar werden.  

Entscheidend für eine gute Beziehung zwischen Organisationen und Ehrenamtlichen sind aus unserer Sicht drei Dinge: klare Kommunikation, realistische Erwartungen und eine wertschätzende Begleitung. Wo Rollen, Aufgaben und Rahmenbedingungen transparent sind, entsteht Vertrauen – und damit nachhaltiges Engagement.  

Aktuell sehen wir besonders hohen Bedarf in Bereichen, die gesellschaftlich stark unter Druck stehen: Nachbarschaftshilfe, Einsamkeitsprävention, Sprach- und Lernbegleitung, Umweltprojekte sowie Unterstützung in Geflüchteten- und Integrationsangeboten. Auch in der Seniorenarbeit, der Lebensmittelrettung und bei niedrigschwelligen Kultur- und Freizeitangeboten werden kontinuierlich Menschen gebraucht, die Zeit und Interesse mitbringen.  

Unser Einsatz zeigt: Engagement lebt von Begegnung. Und wir sorgen dafür, dass diese Begegnungen gelingen – passgenau, unkompliziert und mitten im Kiez. 

Text: Jenny Stiebitz, Projektleitung oskar | freiwilligenagentur lichtenberg, Stiftung Unionhilfswerk 

Links sitzen ein paar Menschen an Holztischen vor einem Haus. Leicht im Vordergrund rechts steht ein roter Schrank mit einem Plakat, das auf Tausch- und Upcycling-Angebote aufmerksam macht.
Nachbarschafts-Fest unter Beteiligung von Freiwilligen zur Einweihung des Tauschschrankes Findus im April 2025.
© oskar Freiwilligenagentur

Freiwilligenagentur ehrensache.jetzt der Bürgerstiftung Dresden

Drei junge Frauen schauen freundlich in die Kamera.
Team der Freiwilligenagentur ehrensache.jetzt. 
© ehrensache.jetzt

Seit ihrer Gründung 1999 ermöglicht die Bürgerstiftung Dresden gemeinnütziges Engagement – mit Geld, Zeit und Ideen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung des Ehrenamts. Mit der Freiwilligenagentur ehrensache.jetzt unterstützt die Stiftung seit 25 Jahren Bürger*innen, Vereine und Initiativen dabei, miteinander in Kontakt zu treten, indem sie Menschen für gemeinnütziges Engagement gewinnt und in passende Einsatzmöglichkeiten vermittelt. 

Um die Vermittlung auf moderne und digitale Weise zu erleichtern, ging die Freiwilligenagentur 2019 mit der Ehrenamtsplattform ehrensache.jetzt online. Gemeinnützige Einrichtungen können dort kostenfrei Inserate für ihre Projekte veröffentlichen und Engagierte gewinnen – von Hausaufgabenhilfe über Begegnungs-Cafés bis hin zu Aktionen im Umweltschutz. Am Ehrenamt Interessierte finden auf der Plattform übersichtliche Informationen zu Aufgaben, Zeitumfang, Einsatzort oder Barrierefreiheit. Wer zum Beispiel ein Engagement mit Senior*innen sucht, kann gezielt in mehr als 20 Handlungsfeldern filtern. Ein integriertes Formular ermöglicht die direkte Kontaktaufnahme mit der potenziellen Einsatzstelle. Begrenzte Laufzeiten und eine redaktionelle Betreuung der Plattform garantieren, dass alle Inserate aktuell und inhaltlich geprüft sind. Gefördert wird das Projekt von der Landeshauptstadt Dresden. 

Seit 2020 wurde die Ehrenamtsplattform schrittweise in allen sächsischen Landkreisen eingeführt und kann auch dort genutzt werden. Das Projekt wird von einem Koordinationsteam der Bürgerstiftung Dresden betreut, welches die regional eingehenden Inserate prüft und auch persönlich vor Ort unterwegs ist, um Vereinen und Initiativen die Plattform vorzustellen. Gefördert wird das Projekt Ehrenamtsplattform für Sachsen vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

In Dresden wird die Plattform durch die Arbeit der gleichnamigen Freiwilligenagentur ergänzt. Besonderen Wert wird auf den persönlichen Kontakt gelegt. Das Team bietet Beratungsgespräche an, etwa wenn Personen noch unsicher sind, welches Engagementfeld zu ihnen passt. Bei der jährlichen Ehrenamtsbörse im Dresdner Rathaus können Interessierte direkt mit mehr als 70 Vereinen ins Gespräch kommen und diese kennenlernen. Zusätzlich organisiert die Agentur Kooperationsformate, bei denen sich Teams aus Unternehmen, Hochschulen oder der Verwaltung einen Tag lang in gemeinnützigen Projekten einbringen. Mit dem Dresdner Ehrenamtssiegel, einem bunten Instagram-Kanal und regelmäßigen Presseberichten setzt das Team sich außerdem dafür ein, Engagement in der Landeshauptstadt Dresden sichtbar zu machen. 

Durch die Vermittlungsarbeit und die vielfältigen Aktivitäten der Freiwilligenagentur ist ein Netzwerk entstanden, das Engagierte, gemeinnützige Einrichtungen und Partner*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung miteinander verbindet. Dabei wird auf Hebeleffekte des Miteinanders gesetzt. Gemeinsam wurde dadurch in den vergangenen Jahren viel erreicht: vom Finden eines neuen Vereinsvorstands über helfende Hände fürs Nachtcafé bis hin zum Unternehmensteam, das ein Vogelschutzgebiet pflegt. 

Engagement gelingt dabei besonders gut, wenn Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden, neue Ideen willkommen sind, individuelle Stärken eingebracht werden können und Aufgaben gemeinsam weiterentwickelt werden. Viele Organisationen suchen derzeit Nachwuchs, da erfahrene Mitglieder ausscheiden. Dadurch entstehen für interessierte Bürger*innen vielfältige Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. 

Zum gelingenden Engagement gehört auch das positive Grundgefühl, das durch das Helfen und das Miteinander ausgelöst wird: Ehrenamt macht glücklich, es bringt Freude durch sinnstiftendes Tun.  

Text: Charlotte Müller, Projektkoordinatorin, Freiwilligenagentur ehrensache.jetzt der Bürgerstiftung Dresden 

Das Bild zeigt einen Computer mit der Webseite der Plattform ehrensache.jetzt auf dem Bildschirm.
© ehrensache.jetzt

Freiwilligenagenturen der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark

Zwei Männer spülen Teller ab und schauen dabei freundlich in die Kamera.
Engagierte beim Freiwilligentag in Eberswalde.
© Bürgerstiftung Barnim-Uckermark

Engagement ist ein wichtiger Zugang für gesellschaftliche Teilhabe und sollte daher allen zugänglich sein. Ein erster und rege genutzter Anlaufpunkt für diejenigen, die sich vor Ort engagieren möchten, sind die Engagement-Plattformen der Freiwilligenagenturen Eberswalde und Prenzlau+Umland der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark. 

Manche verschaffen sich hier einen ersten Überblick, andere finden ihr Traumengagement direkt. Das digitale Matching ist dabei sehr zielgerichtet: Wie viel Zeit habe ich? In welchem Stadtteil oder in welchem Ort möchte ich mich engagieren? Welche Zielgruppe, welche Themen sind mir besonders wichtig? Soll der Ort barrierefrei sein oder welche Voraussetzungen müssen für mich passen? 

Damit Engagement gelingt, muss es in erster Linie Freude bereiten, die Chemie muss stimmen. Viele wünschen sich den Austausch mit anderen, wollen Neues lernen oder persönliche Erfahrungen einbringen. 

Zur Klärung dieser und weiterer Fragen reicht die digitale Plattform oft nicht aus und Interessierte suchen die persönliche Beratung. Hier können auch möglich Schwellenängste oder Zweifel ausgeräumt werden. Die offene Sprechzeit der Freiwilligenagentur wird durch Menschen aller Generationen, gesellschaftlicher Schichten und Beschäftigungen genutzt. Die zielgerichtete Vermittlung bietet auch die Möglichkeit, Engagement und Vereinsarbeit inklusiver und vielfältiger zu gestalten. 

Auch für Vereine, Initiativen und gemeinnützige und kommunale soziale Einrichtungen sind die Agenturen wichtige Anlaufstellen. So werden schon vor der Veröffentlichung von Freiwilligengesuchen die Bedingungen für ein gelingendes Engagement abgefragt: Gibt es eine feste Ansprechperson, konkrete Aufgaben, Versicherungsschutz, regelmäßige Besprechungen, Fortbildungen und Ideen zur Anerkennungskultur? Nicht zuletzt werden in Workshops, Fortbildungen oder im Gespräch auch neue Engagement Möglichkeiten und -felder erschlossen. 

Der Bedarf an Freiwilligen, aber auch das Interesse von Engagierten, ist ungebrochen hoch, überall dort, wo es um Zwischenmenschlichkeit geht – beim Kampf gegen Einsamkeit, für Chancengleichheit und Vielfalt, oder bei der Unterstützung von geflüchteten Menschen. Mehr denn je ist aber auch Engagement im Natur- und Umweltschutz gefragt. 

Text: Katja Schmidt, Freiwilligenagentur Eberswalde  


 

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