• Management

Wie Klimaschutz in Stiftungen gelingt

Stiftungen leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Mit den richtigen Maßnahmen können sie nicht nur ihren eigenen ökologischen Fußabdruck verkleinern, sondern auch Vorbild für andere sein. Eine Hilfestellung in fünf Schritten

Auch in diesem Sommer waren die Folgen des Klimawandels deutlich spürbar. Die Notwendigkeit, diesen Prozess zu verlangsamen, ist offensichtlich. Die sofortige und drastische Verringerung des Treibhausgasausstoßes ist dabei die wohl wichtigste Maßnahme des Klimaschutzes. Kohlenstoffdioxid (CO2) macht mit rund 87 Prozent den größten Anteil der von Menschen verursachten Treibhausgase in der Erdatmosphäre aus. Aber auch der Ausstoß anderer Treibhausgase wie Methan oder Lachgas muss stark reduziert werden, um die globale Erderwärmung zu begrenzen. Dabei sind Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefordert.  

Stiftungen kommt eine besondere Rolle zu. Zwar ist ihr Anteil an den Gesamtemissionen im Vergleich etwa zum produzierenden Gewerbe gering. Mit ihrer hohen Multiplikator- und Sensibilisierungswirkung haben sie aber eine wichtige Vorbildfunktion und eine große Reichweite in Richtung Zivilgesellschaft. Hürden sind jedoch oft geringe personelle und finanzielle Ressourcen, die für das Thema Klimaschutz genutzt werden können, sowie die Vielzahl anderer Themen, auf die sich die tägliche Stiftungsarbeit fokussiert. Was sind daher effektive Stellhebel, um Emissionen mit einem möglichst geringen Aufwand zu messen und zu reduzieren? Die folgenden fünf Schritten geben Hilfestellung.  

Schritt 1 – Messen

„Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken.“ Dieses Zitat des amerikanischen Ökonomen Peter Drucker gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch für den Klimaschutz: In beiden Fällen ist eine klare Bilanz Voraussetzung für wirkungsvolle Entscheidungen.  

Die Erstellung einer Treibhausgasbilanz, also die Aufstellung aller klimawirksamen Emissionen, stellt jedoch viele Organisationen vor Herausforderungen. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens haben viele Organisationen noch nie eine Treibhausgasbilanz aufgestellt und benötigen eine Erstbilanzierung; zweitens gibt es keine klar definierten Prozesse, mit denen eine solche Bilanz erstellt werden kann.  

Von beiden Aspekten sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen; die Bilanz muss zu Beginn nicht perfekt sein. Wichtiger ist es, überhaupt anzufangen und sich zumindest einen groben Überblick über die eigenen Emissionen zu verschaffen. Zudem gibt es viele Angebote und kostenlose Fortbildungsmöglichkeiten, die Schritt für Schritt bei der Erstellung einer Bilanzierung helfen. Einen guten Leitfaden zum Thema Klimabilanzen, inklusive Erfahrungsberichte und praktische Beispiele, bietet etwa die Kulturstiftung des Bundes: Klimabilanzen in Kulturinstitutionen – Dokumentation des Pilotprojekts

Auch für die Datengenerierung und -eingabe zur Ermittlung der CO2-Emissionen gibt es hilfreiche und kostenlose Werkzeuge. Eine ausführliche Übersicht zu verschiedenen Emissionsrechnern und geeigneten Anwendungsbereichen bietet beispielsweise die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima: Welche weiteren Emissionsrechner kann ich für die THG-Berechnung nutzen?

Ist der Anfang erst gemacht, wird die Messung von Jahr zu Jahr genauer, und auch der erforderliche Zeitaufwand nimmt ab. Selbstverständlich können nicht nur die gesamte Organisation, sondern auch einzelne Programme auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz hin überprüft und entsprechend bilanziert werden.  

Schritt 2 – Vermeiden

Ist die erste Klimabilanz erstellt, lassen sich die wichtigsten Stellhebel zur CO2-Senkung meist leicht identifizieren. Welche Arbeitsprozesse, Produkte oder Dienstleistungen sind besonders CO2-intensiv und auf welche Leistungen kann problemlos verzichtet werden? Braucht es etwa große Mengen an Give-aways aus Plastik auf Veranstaltungen? Ist es erforderlich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb Deutschlands geschäftlich mit dem Flugzeug reisen oder gibt es klimafreundlichere Alternativen? Durch den Verzicht auf klimaschädliche Produkte oder Leistungen können Emissionen einfach vermieden und möglicherweise sogar Kosten eingespart werden.  

Schritt 3 – Reduzieren

Viele Emissionen lassen sich nicht komplett vermeiden, aber zumindest wirksam reduzieren. Auch hier bietet die Klimabilanz eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Wichtige Stellhebel im Stiftungsbereich sind etwa mobilitätsbedingte Emissionen, Stromverbrauch, Gebäudeheizung und Klimaanlagen, Papierverbrauch, die Produktion von Druckmaterialien oder der Bezug von Dienstleistungen und Produkten wie etwa Veranstaltungscatering oder der Einkauf von Give-aways.  

Schritt 4 – Kompensieren

Emissionen, die sich nicht reduzieren lassen, können schließlich kompensiert werden. Die Idee der CO2-Kompensation ist es, eine bestimmte Menge an Kohlenstoffdioxid, deren Entstehung nicht vermieden werden kann, anderswo in Klimaschutzprojekten auszugleichen, etwa durch die Förderung erneuerbarer Energien, durch Aufforstung, Wald- oder Moorschutz.  

Entscheidend für die Wirksamkeit der Kompensationsprojekte ist deren geprüfte Qualität. Zertifizierungen wie beispielsweise der „Gold Standard“ geben darüber verlässlich Auskunft. Über zertifizierte Kompensationsprojekte werden zudem soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeitsziele unterstützt, die sich möglichweise auch dem eigenen Stiftungsauftrag zuordnen lassen.  

Schritt 5 – Kommunizieren und Vernetzen

Es gibt viele Angebote, Netzwerke und Initiativen, die Synergien im Bereich Klimaschutz schaffen und beim Klimaschutzmanagement unterstützen können. Über ein großes Netzwerk mit mehr als tausend Unterstützerinnen und Unterstützern verfügt die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima. Dort findet man vielfältige und kostenlose Veranstaltungs- und Informationsangebote zum Thema Klimaneutralität.  

Es kann zudem hilfreich sein, die eigenen Anstrengungen und Erfolge in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit öffentlich zu machen und dadurch andere Organisationen zum Mitmachen zu bewegen – im Stiftungssektor und darüber hinaus. Damit einher geht auch die Notwendigkeit, die eigene Programmarbeit stets kritisch zu hinterfragen. Denn: Der Klimaschutz kann in den Programmen vieler deutscher Stiftungen noch stärker berücksichtigt werden und ist ein fortlaufender Prozess des Besserwerdens. Nur durch gemeinsames Handeln, kontinuierliches Lernen sowie gegenseitige Unterstützung und Motivation lassen sich die gesetzten Klimaziele erreichen.

Über die Autorin:
© KD Busch

Julia Kovar-Mühlhausen ist Leiterin der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg. 

Über die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg

Die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg ist eine Tochter der Baden-Württemberg Stiftung. Sie begleitet die Menschen im Land auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dabei begreift sie den Klimawandel als gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die alle Lebensbereiche umfasst, und reagiert darauf mit Klimaschutzprojekten und Kompensationsangeboten in Baden-Württemberg, Europa und weltweit. www.klimaschutzstiftung-bw.de