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Verstehen, analysieren, handeln

Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Welt findet längst statt. Wie können Stiftungen dazu beitragen, dass dieser Prozess gelingt? Eine Annäherung

Mary Robinson hat es auf den Punkt gebracht: „Klimawandel ist die Mondlandung dieser Generation.“ Robinson ist zwar keine Astrophysikerin, aber als ehemaliger irischer Regierungschefin und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte darf man ihr durchaus unterstellen, dass sie weiß, wovon sie redet.

Die Transformation in Richtung einer klimaneutralen Welt findet zwar längst statt. Ob sie ein Erfolg wird, ist allerdings noch offen. Stiftungen in ihrer gesamten Diversität kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Als Mittler zwischen Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sind Stiftungen prädestiniert, diesen Diskurs zu moderieren, kritisch zu begleiten und die Ergebnisfindung zu unterstützen.

Doch wie können Stiftungen ihre eigene Rolle in der Klimakrise finden? Zunächst gilt es, die eigene Mission aus einer Klimaperspektive zu betrachten und dabei selbstverständlich auch den Stifterwillen mit einzubeziehen. Wird der Auftrag der Stiftung durch eine deutlich wärmere Welt in Gefahr gebracht? Welche Relevanz hat der Stiftungszweck in einer stark veränderten Umwelt? Und wie hätten mittlerweile verstorbene Stiftungsgründerinnen auf den Klimawandel reagiert?

Klimawandel als Gefahr für das eigene Wirken

Die Children’s Investment Fund Foundation (CIFF) aus Großbritannien hat sich hier eindeutig positioniert: Als Stiftung für Kinder im globalen Süden gegründet, kam sie schon vor etwa zehn Jahren zu dem Schluss, dass ein unkontrollierter Klimawandel die größte Gefahr für das eigene Wirken sein würde. Heute ist CIFF eine der größten Klimastiftungen Europas und nutzt ein gutes Drittel ihrer Ressourcen explizit für Klimaschutzprojekte.

Aber natürlich kann – und sollte – nicht jede Stiftung zu einer Klimastiftung werden. Denn auch wenn vier von fünf Personen in Stiftungen der Meinung sind, dass der Klimawandel in den kommenden 25 Jahren das dominierende Thema im Sektor sein wird, gibt es noch viele andere drängende Herausforderungen. Wie also können Stiftungen sich dem Thema nähern?

Ehrlicher Dialog über die eigene Klimabilanz

Es liegt nahe, sich zunächst über den direkten Beitrag der eigenen Stiftung zum Klimawandel klar zu werden, etwa durch eine Berechnung ihrer Emissionen. Auch wenn Emissionen von Stiftungen in der Regel überschaubar sind, gibt es hier im Unterschied zu anderen Institutionen zwei wichtige Besonderheiten: Zum einen wird ein Großteil der Schadstoffe im Rahmen von Projekten und Fördervorhaben ausgestoßen. Hier lässt sich meist viel Reduktions- und Optimierungspotenzial identifizieren und die Förderpolitik entsprechend anpassen.

Zum anderen muss insbesondere bei Förderstiftungen die Kapitalanlage mitberücksichtigt werden. Denn viele Stiftungen generieren ihre Erträge durch die Geldanlage in Unternehmen, die nicht klimafreundlich wirtschaften. Auch viele ESG-Fonds sind noch in eine überraschend hohe Anzahl von energieintensiven Unternehmen investiert. Ein wichtiger erster Schritt ist daher, sich der Gesamtbilanz einer Stiftung bewusst zu werden und einen ehrlichen Dialog über die eigene Verantwortung am Klimawandel zu führen.

Als intersektionales Problem bietet der Klimawandel zudem viele Lösungen, die sich gut mit anderen Projekten, etwa aus dem Bildungs-, Gesundheits- oder Demokratiebereich, ergänzen. Auf diese Weise lassen sich Klimathemen systematisch in die Projektarbeit von Stiftungen integrieren, ohne die originären Ziele der Stiftung zu kompromittieren.

Den Klimawandel verstehen

Doch zuallererst gilt es, den Klimawandel und seine Folgen tatsächlich zu verstehen und zu begreifen – vor allem die Implikationen auf unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft. Bücher wie „Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird” oder „3 Grad mehr. Ein Blick in die drohende Heißzeit und wie die Natur uns helfen kann, sie zu verhindern“ bieten einen guten Überblick.

Speziell auf Stiftungen zugeschnittene Inhalte gibt es bisher kaum. Deshalb sammelt der sogenannte Climate Solutions Hub von Active Philanthropy relevante Publikationen, die sich mit dem Zusammenspiel zwischen Klima und Philanthropie beschäftigen. Einen guten Einstieg in das Thema bietet die Climate + Philanthropy Learning Journey von Active Philanthropy. In diesem englischsprachigen Onlinetraining können Sie in acht Modulen erarbeiten, wie Stiftungen effektiv gegen den Klimawandel vorgehen können, und sich in Live-Sessions mit anderen Stiftungen über Ihre Erfahrungen und Erfolge austauschen.

Der Klimawandel ist relevant für Stiftungen. Und Stiftungen sind relevant für den Klimawandel. Ebenso wie bei der Mondlandung bedarf es großer Anstrengungen, um ans Ziel zu gelangen. Doch wenn Stiftungen die Möglichkeiten nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen, scheint es nicht unerreichbar.  

Über den Autor
Daniel Großbröhmer
© Active Philanthropy

Daniel Großbröhmer ist Projektmanager und entwickelt Angebote und Formate für den Bildungs- und Beratungsbereich von Active Philanthropy. Er berät Organisationen bei der Einführung und Umsetzung von Klimastrategien. Vor seiner Tätigkeit bei Active Philanthropy war Großbröhmer Berater für Wirkungsorientierung in der internationalen Zusammenarbeit. 

Über Active Philanthropy

Active Philanthropy ist eine 2006 gegründete gemeinnützige Beratung. Seit 2018 fokussiert sich die Organisation auf den Kampf gegen die Klimakrise und ihre Folgen. Aufbauend auf der Annahme, dass der Klimawandel alle Förderbereiche beeinflusst, ruft sie dazu auf, die Rolle der Philanthropie zu überdenken. Durch u. a. Bewusstseinsbildung, Expeditionen, Kofinanzierung und individuelles Fördermanagement hilft die Organisation Geldgebern aus allen Bereichen, eine Klimaperspektive in bestehende und neue Portfolios zu integrieren. Zu den Partnern von Active Philanthropy gehören Stiftungen, philanthropische Vermittler und wissenschaftliche Einrichtungen.

Mehr unter www.activephilanthropy.org