Ein ganz besonderer Stiftungstag

Anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums hatte der Bundesverband Deutscher Stiftungen in diesem Jahr nach Berlin eingeladen. Ein Rückblick

4 Minuten 12.06.2023
Autorin: Nicole Alexander

„Stiftungstag – war der nicht gerade?“ Das mag sich manch ein Mitglied gefragt haben, als der Bundesverband Deutscher Stiftungen im Februar dieses Jahres zum Deutschen Stiftungstag 2023 vom 10. bis 12. Mai in Berlin einlud. Stimmt. Nach einer coronabedingten Pause hatte Europas größer Stiftungskongress im Jahr zuvor deutlich später als gewöhnlich, nämlich Ende September 2022, stattgefunden. Doch das Ende der Pandemie bot die Chance, zum üblichen Rhythmus zurückzukehren und den Stiftungstag wieder im Frühling stattfinden zu lassen.
 

Impressionen vom Aufbau in der STATION-Berlin

  • © BvDS_David Ausserhofer
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Keine Kleinigkeit für die Geschäftsstelle des Bundesverbandes, innerhalb weniger Monate gleich zwei Großevents auf die Beine zu stellen. Doch das Team begegnete dieser Herausforderung mit Verve – zumal das Jahr 2023 für den Bundesverband ein ganz besonderes ist: 1948 in Würzburg als Arbeitsgemeinschaft bayerischer Wohltätigkeits- und Kultusstiftungen gegründet, feiert er in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen.

Und deshalb sollte auch der diesjährige Stiftungstag ein ganz besonderer sein – weniger klassischer Kongress mit mehreren parallel stattfindenden Veranstaltungen zu einem bestimmten Schwerpunktthema, sondern mehr Festveranstaltung mit einem vom Bundesverband kuratierten Programmtag und einem starken Fokus auf Vernetzung der Teilnehmenden untereinander.

Der Stiftungstag als Zukunftslabor

„ZukunftsFEST – gemeinsam Chancen stiften“ lautete das Motto, unter dem rund 1.100 Mitglieder, Freunde und Wegbegleiter drei Tage lang in der Hauptstadt zusammenkamen, um das Jubiläum ihres Verbandes zu feiern und die rasante Entwicklung Revue passieren zu lassen, die der Stiftungssektor und damit der Bundesverband seit seiner Gründung im Jahr 1948 genommen haben.

„Diese Reise durch die Stiftungswelt, die endet noch nicht jetzt, sie geht weiter in die Zukunft, denn Stiftungen sind zukunftsfest.“

Poetry-Slammerin Clara Lösel auf dem Deutschen Stiftungstag

Doch ausdrücklich ging es bei diesem Stiftungstag nicht allein darum, (sich selbst) zu feiern und zurückzublicken. Dazu sind die Herausforderungen der Gegenwart zu drängend und die Diskussionen im Sektor über die Rolle, die Stiftungen bei ihrer Bewältigung spielen können, zu intensiv.

Und so wurde in vielen Reden und Podiumsdiskussionen durchaus selbstkritisch auf die eigene Zunft und in die Zukunft geschaut. „Zeit, alte Zöpfe abzuschneiden?“ fragte etwa ein Panel mit Blick auf den Sektor und dessen von Kritikern oft monierte Unbeweglichkeit. In der Halle nebenan waren zuvor in einer Ideenwerkstatt gemeinsam mit dem Publikum Thesen zur Zukunft des Stiftens und zur Stiftung der Zukunft entwickelt worden.

 

Impressionen vom Stiftungstag

  • Teilnehmer*innen des Vernetzungsformats #30unter30
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  • Die Teilnehmer*innen des Podiums „Zukunftsfest und vergangenheitsbewusst? Fragen an die Geschichten deutscher Stiftungen" vor dem Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums
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  • Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, auf der Veranstaltung des AK Kunst und Kultur
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  • Wiedersehensfreude beim Treffen des AK Stiftungskommunikation im taz-Neubau in der Friedrichstraße
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  • Farbenfroh auf dem Stiftungstag
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  • Blick in die Regie
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  • Die Tiny Houses in der großen Halle der STATION-Berlin boten Raum für Gespräche und Austausch.
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  • Angeregte Gespräche
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  • Annette Heuser, die auf der Mitgliederversammlung zur neuen Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes gewählt wurde, mit Prof. Dr. Werner Rutz, Vorsitzender des Stiftungsrates der Dr.-Walther-Liebehenz-Stiftung in Göttingen
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  • Das Team der Geschäftsstelle beim Aufstellen für das obligatorische Gruppenfoto...
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  • ... und ein Teil des Teams bei einer kleinen Verschnaufpause
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  • Bruder Paulus Terwitte, Ordenspriester und Vorstand der Franziskustreff Stiftung in Frankfurt, im Gespräch mit Teilnehmer*innen von #30unter30
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  • Backstage
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  • Eine letzte Umarmung vor dem Auftritt
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  • Poetry-Slammerin Clara Lösel während ihres Vortrags
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  • Abends verwandelte sich die STATION-Berlin in ein riesiges Festbankett.
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  • Die diesjährige Mitgliederversammlung fand in der Großen Orangerie von Schloss Charlottenburg statt.
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  • Angeregte Gespräche in barocker Kulisse
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  • Gruppenbild mit der frisch gewählten Vorstandsvorsitzenden Annette Heuser (2. v. links): Dr. Eva Sturm, Friederike v. Bünau, Prof. Dr. Sebastian Unger und Anne Rolvering (v. l.)
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Und welcher Ort wäre als Schauplatz für ein solches Zukunftslabor besser geeignet als Berlin – eine Stadt, die das Unfertige, Experimentelle quasi zum Daseinsprinzip erhoben hat.

Ein besonderer Reiz dieses Stiftungstages war, dass am ersten und am dritten Tag fast alle seine Veranstaltungen an sehr besonderen Orten der Hauptstadt stattfanden. Der Arbeitskreis Kunst und Kultur etwa hatte ins Humboldt Forum eingeladen, der Arbeitskreis Stiftungskommunikation in den von Verlag und Redaktion 2018 bezogenen taz-Neubau in der südlichen Friedrichstraße.

Vom Humboldt Forum bis zum taz-Neubau 

Im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums wurde über den Umgang deutscher Stiftungen mit den dunklen Seiten ihrer Geschichte diskutiert, und die Mitgliederversammlung fand in der Großen Orangerie des barocken Schloss Charlottenburg statt. Klar, für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeutete die Wahl dieses Tagungsortes und die vielen verschiedenen Locations eine gewisse Herausforderung, denn die Wege in der Hauptstadt sind bekanntermaßen lang.

Aber wer wollte, konnte sich während dieses Stiftungstages nicht nur auf eine faszinierende Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutschen Stiftungswesens, sondern auch durch verschiedene Epochen der Hauptstadtarchitektur begeben.


Auch die STATION-Berlin, in der am 12. Mai die eigentliche Festveranstaltung stattfand, ist ein solch besonderer und zugleich für Berlin sehr typischer Ort. Zentral im Stadtteil Kreuzberg gelegen, befand sich auf ihrem Areal einst der Dresdner Bahnhof, von dem aus Züge in die sächsische Metropole und weiter nach Wien und Prag fuhren. Heute ist sie ein angesagter Veranstaltungsort, an dem bereits die Digitalkonferenz Re:publica tagte, und mit ihren Backsteinbauten und dem besonderen Industrie-Flair Garant für das viel beschworene Berlin-Feeling.

Insgesamt sorgte die Location dafür, dass die Atmosphäre weniger konferenzmäßig und gefühlt ein wenig lockerer war als bei früheren Stiftungstagen. Dazu trug sicherlich das herrliche Frühsommerwetter bei – viele Teilnehmer*innen standen mit einer Tasse Kaffee im Hof und plauderten angeregt miteinander. Manch eine*r setzte dabei möglicherweise gleich um, was er/sie beim sogenannten Morgensalon der Stiftung AusserGewöhnlich, der zum Auftakt des Tages stattgefunden hatte, gelernt hatte: wie man mit Menschen, die man nicht kennt, ins Gespräch kommt und sich zwanglos vernetzt – ein Angebot, das bei den Teilnehmer*innen insgesamt gut ankam, aber bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit zur gezielten Vernetzung war.  

#30unter30 wieder dabei

So gab es auch eine Neuauflage des Formats #30unter30, das auf dem Deutschen Stiftungstag 2022 Premiere gefeiert hatte. Es gibt jungen Leuten im Stiftungssektor die Möglichkeit, erstmals am Stiftungstag teilzunehmen und Kontakte zu Vertreter*innen anderer Stiftungen zu knüpfen, was auch in diesem Jahr sehr gut ankam: „Die Netzwerkveranstaltung 30 unter 30 war ein sehr gelungenes Format! Ich habe tolle Menschen kennengelernt und spannende Gespräche geführt. Das war wirklich eine wunderbare Gelegenheit zum Austausch!“, schrieb etwa eine Teilnehmerin.


Inhaltlich setzten Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, mit seiner inspirierenden Keynote „Zuversicht stiften“ und Steffen Mau, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, mit einem Podiumsgespräch zum Thema „Wachsende Ungleichheit und Gefährdung der Demokratie – driftet unsere Gesellschaft auseinander?“ starke inhaltliche Akzente.

Abends verwandelte sich die STATION dann in ein riesiges Festbankett. Auf der Bühne sorgten u. a. der akrobatische Auftritt der vierfachen Breakdance-Weltmeister Flying Steps für Gänsehaut- und derjenige der jungen Poetry-Slammerin Clara Lösel für berührende Momente. Und riefen in Erinnerung, was dieser Stiftungstag bei aller kritischen Selbstreflexion eben auch war: eine große Geburtstagsfeier. 

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